Abrete Gandul "Enjambre Sísmico" (Fading Records 2011)

Die chilenische Progressive Rocker Abrete Gandul sind auf Fading/AltRock Records die mit Abstand am leichtesten nachvollziehbare Band. Ihre jazztriefenden Komplexorgien sind intensiv, verinnerlicht, dynamisch und konzentriert, im Unterschied zu anderen Bands des Labels aber durchaus Jam-orientiert, lässig den aufwendigen, differenzierten Rhythmus aus dem Ärmel schüttelnd, Gitarren und Gebläse druckvoll fräsen lassend, kantige Partikel dazwischen werfend, Spannung anheizend, Vitalität weckend. Weitaus weniger komplex und neumusikalisch als die aktuellen und parallel mit ihrem Debüt aufgelegten Ske sind Abrete Gandul im Erbe von King Crimson unterwegs, verwandt etwa mit Akineton Retard oder Las Orejas Y La Lengua, entfernt verwandt. Die südamerikanische Progressive Rockszene mag es überwiegend symphonisch, lieblich und verträumt. Abrete Gandul hingegen arbeiten scharfkantige Stücke aus, durchaus im (instrumentalen) Songformat, Groove-basiert, weitflächig angelegt, und immer wieder von agogischen Brüchen und Auftrieben durchzogen. Verrückt interessante Partien weben den leicht klingenden schweren Rock auf, wie wissenschaftlich eingegraben, Elektronisches, Avantgardistisches, Abgefahrenes, von kreativen Köpfen hinreißend erdacht und viel mehr fesselnd und einnehmend als aller eingängige Schönklang dieser Welt.
Abrete Gandul sind der Link zwischen Jazzrock und AltRock, schwerer Kost und leichtgängiger Eindrücklichkeit. Für geübte Ohren nicht die größte Herausforderung, weil nicht die härteste, wildeste, kreischigste Möglichkeit im Fokus der Band steht, werden Spezialisten ihre Freude an der Überraschungslust der Band haben und die vertrackten Kanten und düsteren Ecken der Jazzlust im Rockfieber lieben. Magma indes, als Referenz angegeben, ist nicht im Ansatz zu finden.
Absolute Empfehlung!

altrock.it
VM





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