Albatrosh "Yonkers" (rune grammofon, VÖ: 09.12.2011)

Shoegazer. So verkehrt ist das Cover nicht. Albatrosh wollen sagen: He, wir sind keine Aliens, keine seltsamen oder komischen Typen. Wir machen krassen Sound, nicht anders als ihr. Nur cooler. Und abgefahrener. Wilder, frecher. Und intelligenter. Anhören, Leute! Shoegazer! Jazz!
Und in der Tat ist das Duo ungemein lebhaft, spielt seine Songs energisch und schnell, legt leichte Hand an, setzt auf Melodie und sanfte Eingängigkeit - für Geübte der freien Struktur gewiss.
Eyolf Dale (p) und André Roligheten (saxes) sausen durch Disharmonien, als sei dies das Leichteste der Welt. Ihre Songs sind spannend und in aller Leichtfüßigkeit hochkomplex und anspruchsvoll. Wenn sie sich im Höhenrausch virtuos umgarnen, gerät dies hochmelodiös, bis der Kern spaltet und multiple Freakigkeit zu überschießenden Exzessen auffordert. Genau dann ist das Duo am besten, strömt wilde Energie aus seinem Spiel. Eyolf Dale ist die klassische Handschrift anzuhören, die Töne werden sauber und klar gesetzt, nichts neigt zu bluestypischen Halbtönen, das ist alteuropäische Schule. André Roligheten indes, mit dem skandinavischen Melancholie-Epik-Faktor infiziert, beißt gern in freie Töne.
Sobald ein Motiv wie etwa das die CD abschließende "pannebrask" in lyrischer Eleganz für melancholischen Wohlklang sorgt und die dunkle Seite der Jazzmacht therapeutischen Schönklang baut, werden die ausgefallenen Saxophonspitzen erlesener und in aller melodischen Orientierung als disharmonische Kratzer im Lack das besondere Etwas.
Eleganz und Ausdruck sind den Twens Albatrosh kein Fremdwort, in der gemeinsamen Spieldynamik wird mehr Spiellust offenbar, als in Duos (und größeren Ensembles), die sich dem Mainstream hingeben, um nicht Musik, sondern Kohle zu machen.
Cool! Shoegazer!
Tipp!

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runegrammofon.com
VM





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