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Aranis "Roqueforte" (AltrOck 2010)
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Auf "Roqueforte", ihrem vierten Album, spielt die flämische Band Aranis wie auf ihren Vorgängeralben virtuos-düsteren Avant Folk; akustischen Kammerrock auf Basis progressiv-komplexer Kompositionen, deren Vorbild Univers Zero ist und die ästhetische Muster aus der neoklassischen Musik, aus zeitlosen Folkloremustern und dramatisch dunkler Rockmusik mischen.
Nachdenkliche bis melancholische Arrangements wechseln sich mit flotten, beherzten Motiven. Auf der Basis verhaltener Perkussion fließen epische Songs dunkel dahin, wie etwa "Ade IV". Der akustische Klang von Flöten, Akkordeon, Doppelbass, Geige, Viola, Piano und Gitarre besetzt völlig anders als bei den Holländern Flairck ab 1978, aber ebenso stilistisch übergreifend und verschiedene Einflüsse präsentierend, weniger forsch und fröhlich, weitaus dunkler, abstrakter und harmonisch zerrissener als die genannte Band, moderne rockfolkloristische Avantgarde in aufwendigen, schöngeistigen, dramatischen Kompositionen. Neuzugang Dave Kerman am Schlagzeug verstärkt die Rocknote mit differenziertem Spiel, das er weitaus dezenter und zurückhaltender einbringt, als er dies in den avantgardistischen Progressive Rockbands tut, die ihn als Schlagzeuger listen.
Aranis' Stücke sind nicht leicht eingängig, kein alltäglicher Popbrei, kein Weichspülsound, sondern geprägt von der Orientierung auf kunstvolle, komplexe, radikale Musik. Mal sind tangoartige Motive in der ‚Mangel' der Musiker, setzen sie flotten Tanzmotiven ihren Stempel auf, zerpflücken harmonische Ideen, lassen Melancholie auf Fröhlichkeit folgen, brechen emotionale Momente und setzen nach düstere Zerrissenheit raffiniert süffige, elegante Humorfragmente. Keines der 11 Stücke ist von durchgehend eindeutiger Struktur. Alle melodischen Muster sind arrangementtechnisch durchbrochen, verschiedene melodische und rhythmische Partien ergänzen einander, bauen die sinnvollen und sinnfrohen Songs auf, schaukeln sich durch emotionale Wechselbäder, schwelgen in farbenfrohen Harmonien, nur um im nächsten Augenblick in tiefste Düsternis abzustürzen, schwere Dramatik folgen zu lassen, aus der federleichte Motive erneut zu lichten Höhenflügen ansetzen.
Aranis verstehen exzellent, äußerst interessante Songs zu komponieren und zu spielen. In aller molllastigen Schwere passieren die verspieltesten und fröhlichsten Melodien, der stete Wechsel rhythmischer, methodischer und motivischer Akzente ist ungemein unterhaltsam und von hinreißender Qualität.
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