Ax Genrich "Axymoron" (Sireena Records, VÖ: 11. 12.2009)

Best of kann "Axymoron" kaum genannt werden, dazu sind zu wenige Jahre seiner aktiven Zeit als Musiker berücksichtigt, und zu wenige der Bands, in denen er spielte. Der Labelsampler von Sireena Records zeigt dennoch einen weit fassenden Einblick in die kreative Welt Ax Genrichs. Der hatte früh mit The Ragtime Skifflers, The Lords, The Rocking Chairs, Light of Mingus und Music Transmission gespielt, war 1970 bei Agitation Free, im gleichen Jahr stieg er bei Guru Guru ein, veröffentlicht später "Highdelberg", gründete "RIF" (Rockabilly + Punkrock), spielte Soloalben ein, es folgten The Rockin' Daddies, Dr. Ted & die Tiger, die Psychedelic Monsterjam mit seinem alten Kumpel Mani Neumeier und mit Dave Schmidt - und so weiter. Eine Best of eines so umfangreich engagierten Musikers ist auf einer Einzel-CD wohl kaum möglich. Doch die Songs auf der CD hat Ax Genrich selbst zusammen gestellt, das fast eklektisch vielseitige Programm hat also doch etwas wie einen Best-of-Charakter, wenn auch den persönlichen des Gitarristen selbst. Und welcher könnte besser sein!
Zwei 1999 eingespielte, klassische Rock'n'Roll-Songs eröffnen die CD. "It's Skiffle Time" ist in seiner Leichtigkeit, Einfachheit und Liedhaftigkeit ein perfekter Opener für Rock'n'Roller, die dann später zu schlucken haben, wenn die Krautrock-Exzesse folgen, die in fast avantgardistischer Schräglage und teilweise über 11 Minuten lang, harsche Energieschübe auf die Zuhörer eindonnern lassen. Das älteste Stück ist 1972 live eingespielt worden, für die TV-Show Beat Club. "Oxymoron" geht schon mal heftig ab. Deftiger wird es dann mit dem 11:11 Minuten langen, schwer harten und brachialen Krautrockmonster "(Next Time See You At The) Dalai Lhama" aus dem Jahr 2003, Gitarren wie Sägen, die Band entfesselt, brachial, hart, ungezügelt, rau.
"Kosmische Phyrze" vom legendären 1974er "Highdelberg" ist eine versponnene Melancholieballade mit schrägen Sounds und verspieltem Gitarrensolo. Wo er mit dem Kopf war, als er den Song einspielte (und benannte), wird er heute selbst nicht mehr wissen. Kommt auch gar nicht darauf an, ist ein schickes Teil!
Niedlicher Rock'n'Roll ("Süsse 16 Jahre jung"), 1979er Punkrock ("Realität nix Blabla"), Hardrock, Rockabilly und Skiffle folgen. Hübsch, harmlos und leichteste Muse: "My Dixie Darling".
Dann geht es noch zweimal über 10 Minuten. Die letzten beiden Tracks, "Blow Up"' (1995) und "Amber Suite" (1996) sind wieder radikale Krautrockepen, hart und wild, energisch bis kurz vor der Explosion, mit satten Gitarrensoli und tobender Band.
Ein paar der auf der CD enthaltenen Songs sind bislang unveröffentlicht: die 11:25 Minuten lange "Amber Suite", "Oxymoron", die beiden Skiffle-Rock'n'Roller am CD-Anfang.
"Axymoron" ist ein exzellenter Einblick in die Vielseitigkeit und Musiksucht Ax Genrichs, ein gut gelauntes, seine Radikalität und Härte, Liedhaftigkeit wie Stilsicherheit ausdrückendes Album, das nicht nur Krautrock-Jüngern ans Herz (oder unter den Weihnachtsbaum) gelegt sei.

sireena.de
VM



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