Emily Bezar "Angel's Abacus" (DemiVox Records 2004)

Die Songs auf ihrem neuen Album "Angel's Abacus" hat Emily Bezar in den Jahren 2001 bis 2003 komponiert, als sie in Frankreich lebte. Die Multiinstrumentalistin mit Schwerpunkt Piano und Keyboard und stimmlicher sowie stilistischer Ähnlichkeit zu Kate Bush und Tori Amos hat ganze Arbeit geleistet. 16 Songs umfasst das neue Album, das sind über 72 facettenreiche, lyrische Minuten intime Artpop-Atmosphäre. Ihre dezent und verhalten eingesetzte Stimme ist zumeist gedoppelt zu hören, eine Stimme singt die Melodielinie, die andere steht mit hellem, hohem Klang in ganz hohen Tonlagen lautmalerisch darüber. Emily wird hervorragend begleitet. Laurence Cottle (b, Eric Clapton, Brian Eno), Ralph Salmins (dr, Björk, Everything but the Girl), Jon Evans (b, Tori Amos) und Dan Foltz (dr, Sonya Hunter) sind nur einige der involvierten Musiker.
Die lyrisch-stillen Songs sind farbenreich arrangiert. Da gibt es warme, vibrierend elektronische Sounds, zerfetzte Bläsersätze, die im Off vorbeirauschen und das straff organisierte Pianospiel, das immer wieder zu großartigen Jazz-Akkorden ausholt und den Songs dynamische Spannkraft gibt. Auch in den forscheren Stücken wird Emily Bezar niemals laut oder harsch, sondern lebt alle emotionalen Momente ihrer Lieder mild und entspannt aus, ohne die intensive Virtuosität zu unterbrechen. Emilys Musik hat große Ausstrahlung. Die anspruchsvollen Kompositionen verbreiten sanftes Flair, das niemals billig, schlicht oder dünn klingt, sondern stets aus voller Kraft schöpft. Der Hang zu symphonischen und jazzigen Sounds macht die Songs reich, überfrachtet sie aber nicht. Emilys ausgezeichnetes Gespür für das richtige Arrangement, vor allem in den jazzbetonteren Songs, macht "Angel's Abacus" so besonders.

emilybezar.com
VM



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