Brown Vs Brown "Odds and Unevens" (Cuneiform Records 2010)

Das dritte Album der holländischen Avantrocker Brown Vs Brown zeigt die Band von lockerer und zugleich brutalerer Seite. Die Cartoon-haften Kompositionen der instrumentalen Band Vijam Nybacka (b, voc), Dirk Bruinsma (as, voc), Gerri Jäger (dr, voc) und Jeroen Kimman (g, voc) sind reichlich schräg, haben dynamische Rockhärte und radikale Jazzfreiheiten, bersten an dieser Stelle in freie Gefilde und zerplatzen dort in verträumter Lässigkeit. Eine gewisse Verkopftheit steckt in den Kompositionen, die Derbheit ist gewollt, Brown Vs Brown sind eher stille und sensible Handwerker als Radikaltöner, deren Interesse jedoch im schräg-harten Bereich liegt. Da sind crimsoneske Energien zu erkennen, verspielte Kinderliedmotive, die in radikale Attacken aufbrechen, jazztriefende Bandinterplays und von lautmalerischem (Chor-)gesang begleitete Instrumentalstrecken, die sehr konzentriert und komponiert klingen, zwar lebhaft und erheblich dynamisch eingespielt wurden, aber keine Freakigkeit erkennen lassen oder brachiale Rasanz an den Instrumenten, sondern stets eine ganz besondere Konzentration auf die erstklassige handwerkliche Ausführung ihrer wilden, disharmonischen und jazzdurchfluteten Avantrock-Songs.
Gelegentlich verliert sich die gemachte Druckintensität und die Band gerät in sphärisch dösende Parts, die sanft und verträumt ablaufen - und genau in diesen Parts ist die Band am glaubwürdigsten, die Soli und Melodiepartien darin überzeugen mehr als die auf Avantgarde getrimmten Krachpartikel, die zwar keinesfalls schlecht, falsch oder übel klingen, aber nicht die Kraft und Intensität der lyrischen Interplays besitzen.
Vielfach geraten die konkret strukturierten ‚Rocksongs' aus den Fugen, zerfasern sich starke Motive in improvisativ freiem Spiel, und auch diese fast psychedelische Losgelöstheit und zerfaserte Verspieltheit hat ihre besondere Qualität. Oftmals scheint es fast, Brown Vs Brown wären die neuen Blast, doch so brassig klingen die Holländer erstens nicht und ihre strukturelle Orientierung ist insgesamt zweitens moderner und viel weniger klassisch und nicht ein Stück No Wave, wie es Blast (denen Dirk Bruinsma einst angehörte) auszeichnete.
Locker und technisch ist der postmoderne Avantrock von vielen guten Qualitäten, und auch, wenn die jetzt bei Cuneiform untergebrachte Combo nicht sofort überfährt und mit den verrücktesten Ideen überrascht, hat "Odds and Unevens" doch jede Menge hinreißend erfrischend radikales und schwer heftiges Zeug auf Lager, das pikobello Laune macht.

brownvsbrown.com
myspace.com/cuneiformrecords
VM



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