Burg Herzberg Festival 2009 "Fill Your Hearts with Joy and Love a Lot" (Herzberg Verlag 2010)

Der Festival-Sampler des 2009er Burg Herzberg Festivals, im Volksmund Hippiefestival genannt, ist 79 Minuten und 56 Minuten lang. Eröffnet wird der bunte Reigen von der Manfred Mann's Earth Band. "Mighty Quinn", hier fast 10 Minuten lang, wird vom Auditorium als Fun verstanden, die Freaks klatschen im Takt mit und nehmen den Song wohl weniger als Rockklassiker denn als Spaß- und Tanznummer, so ändern sich die Zeiten. Das wohlbekannte, zeitlos gewordene Motiv geht in luftigem Groove auf. Die Band scheut sich nicht, mitten im obligaten Gitarrensolo auf den Rockklassiker einer ganz anderen Band umzuschwenken und so wird der beliebige Just For Fun Eindruck verstärkt, plötzlich steckt die Band mitten in "Smoke on the Water", hält kurz inne - und macht mit "Mighty Quinn" weiter. Für alte Rockhasen gewiss wohl irritierend und für Grauen sorgend, für das Festival gewiss belebend.
Arthur Brown folgt mit seinem großen Hit. Eingespielt mit der Hamburg Blues Band beweist der "god of hellfire", dass er immer noch gut drauf und untot da ist, wenn auch mit etwas weniger Luft in den Lungen. Die Band tunkt den Song in schweren, hart rockenden Bluesrock. Motorpsycho im Anschluss monotonisieren "Burghogs" 10 minimalistische Minuten mit düsterem Spacerock, die Gitarren arbeiten wie Mahlwerke unterirdischer Erdfräsen, die einem Autobahntunnel die Richtung weisen. Da kommt der Appetit auf Space Balls von ganz allein. Tribe after Tribe spielen "Bury Me" in ausgedehnten 12 Minuten. Elektronischer Sturmsound führt in das folkloristische Motiv, das World Rock genannt werden kann und auf ethnische Rhythmusmuster setzt. Fabelhafte minimalistische Orgie, Psychedelic Rock zum Schweben.
Und dann standen Gong auf der Bühne. "Magick Mother Invocation/Master Builder" in knappen 10 Minuten bringen die Hochzeit des Psychedelic Jazzrock zurück ins Bewusstsein, schön, die Band noch und wieder hören zu können, genau mit diesem Programm, ihren großen Frühsiebziger Kompositionen, die auf pulsierenden Dschungel-Rhythmen wahnsinnige Endlosschleifen fahren. Könnte jedenfalls endlos seinů
Auch Faust haben fast 10 Minuten. "Den tiefsten Schlaf" ist einer ihrer abgefahren avantgardistischen Songs, in der tiefen Weite zwischen krautiger Monotonie, brachialem Rock und kratziger Schräglage. Fast ist nicht auszumachen, was die da auf der Bühne machen und was die wirren Sounds sollen, ob das schon ein Song ist oder ob Typen auf der Bühne vor ihrem Auftritt deftige Genüsse in sich aufgenommen haben, die sie nun treiben, allerlei unnachvollziehbares Spiel mit dem Publikum zu treiben. "Living in the Woods" von Guru Guru wird wieder konkreter, wenn nicht minder psychedelisch, so doch deutlich kraftvoller und konkreter, melodischer und heute stark von Worldmusic geprägt. Ornah Mental setzen die Ethnosound-Kurve noch deutlich höher an und marschieren über 5 satte Rockminuten durch lasziv entspannte Hörgefilde. Geheimnisvoll und überwältigend.
Zuletzt füllt die wieder belebte Edgar Broughton Band mit "Out Demons Out" von ihrem titellosen 1971er Album noch einmal knappe 10 Minuten. Psychedelic Rock düsterer, magischer Spielart, monoton und überwältigend, dass die Meute vor der Bühne in Trance fällt. Schräges Teil, heftiger Song.
Der Festivalausschnitt präsentiert einen kleinen Eindruck des seit 1968 existenten und aktiven Festivals. Neue und alte Bands, Psychedelic Rock, Prog und Jazzrock finden wie Worldmusic und Spacerock eine Bühne und ein neugieriges, vielköpfiges Publikum. Die CD ist kein Festivalersatz, sondern soll Appetit machen, sich mal wieder zur Entspannung blicken und Rockkultur alternativer Lebensart für ein paar ausgeflippte Tage in sich triefen zu lassen.

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