Bushman's Revenge "You Lost Me A Hello" (rune grammofon, VÖ: 24.04.2009)

Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Jimi Hendrix lebt! In der Inkarnation des Trios Even Helte Hermansen (g), Rune Nergaard (b) und Gard Nilssen (dr, perc). Nicht, dass Even Helte Hermansens Gitarrensound dem des Gitarrengottes und Betrauerten (seine Familie denkt: was hätte er aus seinem Leben machen können, wir denken: welche Alben sind uns entgangen?, Welchen Stil hätte er geprägt!?!) auch nur im Ansatz nahe kommt. Hendrix und Hermansen sind absolut zwei Paar Schuhe. Was das Trio in Hendrix' Nähe bringt, ist ihre irrsinnige Wildheit, ihr Freejazz Hardrock, oder kürzer Heavy Freerock, die extrem überdrehte Kreissägen-Klanglandschaft, die Improvisationszerstörung.
Wie Tunnelbaufräsen mit unzähligen, Steine schneidenden Mahlrädern bricht das Trio aus ihren komponierten Ideen in die dichte Tiefe des Erdreiches ein, das klingt nach Kraft, Gewalt, Ekstase, Krieg.
"The Star Spangled Banner", Hendrix, Woodstock, das ist ein Vergleich. Nur dass Bushman's Revenge Hendrix gewiss tausendfach gehört haben und als Trio noch extremer und radikaler, dabei jedoch in anderer Intensität und weniger Blues, weniger Erde, mehr Kunst und Abstraktion aufgehen.
Die Musik könnte als Hardrock bezeichnet werden, denn hart, ordentlich hart sind die Songs der Band. Doch wäre kein Begriff so falsch wie Hardrock, wenn das Trio auch dessen klassisches Instrumentarium nutzt. Hardrock ist eine einfache, melodische Musik - Gegensätze bestätigen die Regel - und hier ist nichts einfach oder harmonisch. Die Ekstase des Trios bezieht von Hendrix, aber auch aus dem Free Jazz Inspiration. Ihr Sound ist keine kurzweilige, vordergründige Wolllust, sondern ein Test: was geht. Wie dehnbar ist die Möglichkeit in abstrakter Rockmusik? Wie radikal lässt sich eine Idee ausschlachten, wenn sie noch kompositorischen Inhalt erkennen lässt und Spaß macht - für Musiker und Zuhörer?
Zwischendrin, als Muße zwischen dem Chaos, sortiert sich die Band mit dem Aufbau rhythmisch akzentuierter und weitaus leichterer und weniger harscher melodischer Struktur. Einige Strecken klingen wie das, was den Musikern nach ihrem Konzert nachts im Bett durch den Kopf rauschen muss - das Leiden der Ohren im Ausdruck ambient leiser Geräuschkaskaden, eine milde Gnade, Salbe auf der Wunde, die erst einmal brennt, bevor sie hilft.
Zum guten Schluss, acht orgiastische Songs hindurch war Krieg, streichelt die Band uns Zuhörer mit lautmalerischem lalala-Gesang, den entzündeten Nervenenden ein wenig positive Massage gebend. Danke für dieses Lehrstück!

runegrammofon.com
VM



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