Cherno "Slight Trick All Around" (Vital Records 2003)

Cherno ist ein japanisches Duo, das jeden Monat in der Tokioter Underground Szene auftritt. Bisher hatte die Band offiziell nichts veröffentlicht, mit Vital Records (Unterlabel von POSEIDON Productions) findet Cherno nun die notwendige Unterstützung. Die 12 instrumentalen Stücke auf "Slight Trick All Around" sind ein ultraheftiges Gebräu. Teilweise sehr komplex, teilweise schwer schräg und wild, dazu immer dreckig und vital, mit bewusst fehlerhaften Tönen und krachig lärmendem Soundbild; Cherno sind die typisch japanische Antwort auf den Avantgarde Rock. Sugawara Shin spielt Alto Sax und Wind Syntheziser, Kishimoto Junichi Gitarre, Gitarren-Syntheziser und programmiert die Schlagzeugmaschine. In 2 Stücken sind Matsuyama Kazuhiro mit seiner Noise Guitar und Mochizuki Yoshinori mit seinem Lead Bass als Gäste dabei. Der Rhythmuscomputer ist zwar rhythmisch komplex, aber klanglich simpel eingestellt, das bricht ein seltsames Spektrum auf. Es ist zu hören, dass ein Rhythmuscomputer Töne ausspuckt und kein echter Trommler hinter seinem Set arbeitet. Jedoch hat dieser billige und teilweise lächerliche Schlagzeug-Klang seinen Reiz in seiner primitiven Unbedarftheit, die Band hat mit dem billigen Klang eine interessante Ergänzung zu ihrem äußerst vitalen Spiel gefunden. Sugawara und Kishimoto spielen wie Wahnsinnige, stets arbeiten sie äußerst schräge und sehr harte Motive aus, beide nehmen sich kein Stück zurück, sondern machen die Songs laut und brutal, dabei ist ihr Spiel nicht immer ganz sauber (was auch nicht im Sinn der Band ist), da gibt es fehlerhafte Passagen, unreine Unisono-Läufe und überdrehte Soli. Zudem ist der Klang nicht ideal, sondern, ich nehme an, bewusst, denn es passt ins Konzept, dreckig und anstrengend. Hohe Auspegelung der hohen Töne, ein mattes Mitteltonbild und fetter Bass dominieren den Klang. Das findet im Spiel seine Ergänzung, Sugawara spielt vor allem hohe Töne, die etwas ins Off gemischt klingen, während die Gitarre von Kishimoto einen schweren Heavy-Sound im tiefen Bereich schafft. Beeinflusst ist das Duo vor allem von Magma und King Crimson. Magma sind in der Intention herauszuhören, King Crimson stets in allem. Cherno scheinen die schräge, abgefahrene Ergänzung dazu geben zu wollen. Die 12 Songs dieser CD sind sehr inspiriert und interessant, aber auch anstrengend bis nervend, weil die Heavyness und das ständige Saxophongebläse keinen Ruhepunkt kennen. Da sind sie wie das Duo Ruins, die nicht so ganz anders inspiriert genauso die Hölle geben können. Wer ein ausgeprägtes Faible für Avantgade Rock hat, vor Lärm und schrägem Liedgut nicht zurückschreckt, wird mit Cherno eine Lieblingskapelle finden. Freaks mit zartem Gemüt sollten einen großen Bogen um die Produktion machen.

musicterm.jp/
VM



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