Constantine „Divine Design“ (Palokka Records 2011)

Der Name des Labels lässt es bereits vermuten - die Finnen spinnen ihre Klangfäden metallisch glänzend. Eine musikalisch-lamettierte Ladung, die es aufgrund eines gerüttelten Maßes an Komplexität in sich hat, prasselt wie Tropfen aus den 1000 Seen auf den Hörer hernieder, welcher nach dieser Tontaufe keinesfalls als begossener Pudel zu betrachten ist, selbst wenn er des Pudels Kern in seiner nassen Mütze noch nicht entdeckt hat. Musik mit moderat gehaltenem Anspruch, die mich nichtsdestotrotz vollumfänglich anspricht und zu allem Überfuss sehr rund klingt, quasi ein akustischer goldener Schnitt mit besonders gelungener Bassarbeit. Der Basser Antti Varjanne kann es besser als viele Langholzgenossen, er spielt auf wie ein junger Steve Harris zu dessen besten Zeiten, heischt aber nicht penetrant nach Aufmerksamkeit, das ist ganz groß. Dazu passt Trommler Marko Möttönen wunderbar, verleiht er doch sämtlichen Stücken einen typgerechten rhythmischen Unterbau und bricht immer wieder mittels niemals störender Fills die Rundungen etwas auf, so dass der goldende Schnitt fjordesk anmutende Einkerbungen erhält. Slartibartfaß hätte seine helle Freude an dieser Musik. Lyrische und melancholische Passagen lassen wieder und wieder an Fates Warning erinnern und der „Milchbubi“ Lassi Vääränen (too many äs) trällert in den höchsten Tönen, kann aber auch Rauhreif aus seinen Stimmbändern leiern. Zunächst hatte ich zugegebenermaßen gewisse Probleme mit seiner Stimmlage, aber nach einigen Durchläufen passt seine hohe Stimme gut zur Musik. (Ich bin nun mal kein Fan von französischem Käse-Theatralik-Gesang zum Eierabschrecken.) Die beiden Jannes (Seppänen und Korpela) an den Gitarren zerren schöne Zwillingsläufe aus ihren Saiten und teilen sich Lead- und Rhythmus-Passagen auf, wie ich glaube, herausgehört zu haben. Das ist mehr als viele gestandene Bands sich ans Revers heften können, die nach dem kompositorischen Prinzip reziprok & reversibel retuschiert vorgehen - nix kapiert? Der Sinn liegt im Unsinn, doch wo liegt der Unsinn, wenn der Sinn im Eimer ist? Auf alle Fälle in die Läden laufen und das göttliche dies-ein Album sich kaufen!

constantineband.net

Frank Bender




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