Copernicus "Worthless!" (Nevermore, Inc./Moonjune 2013)

Nach Reissues alter Copernicus-Alben gibt es nun ein komplett neues Werk des Sprachpoeten/Stimmkünstlers in der Labelkooperation Nevermore, Inc./Moonjune Records.
Wenn die Alben aus den Achtzigern musikalisch zwischen Neo Psychedelia und New Wave mit Avantgarde Tendenzen mäandern, sind nun Avantgarde Rock und Psychedelic die Basis, auf der Copernicus mit unverändert starker Stimme ‚arbeitet' - und nicht singt. Er spricht seine Texte als litte er unter ihnen, so tief sitzt er in seiner Poesie. Die Musik umschwebt ihn. Da ist nichts songdienlich, Copernicus ist kein Singer/Songwriter, er ist: einfach anders. Seine Stimme, seine Interpretation sind so etwas wie der Charles Bukowski des Avantgarde oder Improv Art Rock, indes nicht textlich. Copernicus arbeitet mit abstrakten, philosophischen Denkmustern, mit Kritik am Denken, Gedanken über Existenz, Illusion, Freiheit, Zeit und das Dasein (in) der Galaxie - auf eindrückliche, eigen-artige Weise. Doch seine Stimme ist etwa wie die von Tom Waits, doch nicht liedhaft, nicht singend, sondern kratzend, knurrend, brüllend, donnernd, und darum wie Tom Waits' Stimme mit Bukowski's Wirkung.
Die Band, wäre sie Jazz, spielte wohl wie einst Albert Ayler freejazzige Beerdigungsmärsche, doch der (musikalische) Jazzanteil ist trotz diverser Bläser eher gering, die psychedelische, melodisch unwägbare Harmonielage gibt zwar so etwas wie Songs vor, die allerdings eher fragmentarisch, wie angerissen, kaum konkret oder fest greifbar scheinen. Kunstmusik im besten Sinn - und eine große Schar Musiker ist beteiligt, die sich im Booklet um Copernicus drängen und - im Angesicht dieses eigenwilligen Sounds - so normal wirken!
Dafür gibt es keine Schublade, hoffentlich aber - über den englischsprachigen Raum hinaus - Verständnis und Neugierde.

copernicusonline.net
moonjune.com
VM



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