Dekadent "Deliverance Of The Fall" (Pentacle Music, VÖ: 25.01.2008)

Die Slowenen Dekadent zeigen mit ihrem jüngsten Werk "Deliverance Of The Fall" ein ausgezeichnetes Händchen für ungemein bombastische, epische, symphonische Rockmusik. Ehe die Band überhaupt zum Gothic Black Metal anhebt - und das ist Dekadents musikalisches Zentrum - dröhnen tiefe, schwere, melancholische, klassisch und folkloristisch inspirierte, äußerst düstere Symphonic-Epen aus den Boxen. Diese Art schwere Musik erfinden sie gewiss nicht, aber sie machen ihren graziösen Auftritt ausgesprochen stilvoll und frei von Kitsch und Plattitüden.
Die 10 schwermütigen Songs der CD bringen es zusammen auf 43 Minuten, nur ist jeder Song für sich genommen nur ein fast unbedeutender Ausschnitt, dessen Wirkung in seinen kurzen Minuten wirkungslos verpufft. Seine Leidenschaft und Dramatik entdeckt das Werk erst in seiner vollständigen Gänze. Und so wollen Dekadent das Werk auch verstanden wissen. Es gibt keine Grenzen zwischen den Songs, lediglich zum abschließenden Bonustrack, der selbst wiederum auch Teil der Black-Metal-Oper ist.
Alen Felicijan (key) hat den umfassendsten Raum, seine Sounds auszubringen. Doch wenn die Band einsetzt, geben Artur Felicijan (lead-g), Andraž Krpic (dr, perc), Boštjan Ivancic (g) und Andrej Bohne (b) keinen Raum zurück. Ein düsteres Volumen bemächtigt sich der Songs, dass einem angst und bange werden könnte. Darüber sitzt Artur Felicijans kratzige Black-Metal-Stimme - Bombast und Dramatik finden selten diese einmalige grandiose Ästhetik und eiskalte Kontrolle - das ist äußerst cool.
Im fast vollständig schwarz gestalteten Booklet sind die Texte abgedruckt. Ein Mann erzählt die düstere Geschichte seines Verlustes und des zornigen Versuches, die verloren gegangene, geliebte Person wieder zu finden. Auf dieser Suche begegnen ihm böse Ängste und innere Dämonen. Erstaunlich, dass dieses schwarze Werk doch letztlich von Liebe handelt, wenn auch von deren Verlust.
Damit nicht genug, gibt es die Musik noch einmal - in einem 42-minütigen Black-Metal-Film - auf der dazugehörenden DVD. Die Ästhetik der Filmbilder ist ebenso berückend wie die Musik, weder filmisch, noch bildtechnisch oder schauspielerisch gibt es was zu meckern. Sicher ist der Film ein Szenewerk, dem Handlung wesentlich fehlt, doch Dekadent haben, das ist deutlich zu erkennen, keine Mühe gescheut, Musik und Film zu einem gemeinsamen Meisterwerk zu machen. Die Sprech- und Gesangssprache ist englisch (die Musik identisch zu CD1 ohne den Bonustrack), jedoch kann man, so man möchte, deutsch- (und englisch-) sprachige Untertitel einblenden, und so die Story der Musik ganz einfach nachvollziehen.
Die DVD hat keinen Dolby-Surround-Sound, nur Stereo. Es gibt keine Soundeffekte neben der Musik, sondern nur Bilder und Bildeffekte, Stereo ist hier richtig.
Von "The Deliverance of the Fall" können sich auch Musikfreaks angesprochen fühlen, die nicht unbedingt nur im Black Metal zuhause sind, etwas Progfans. Die Musik wird selten brutal, und extrem hart wird es nie. Dekadent legen mehr Wert auf ausgeklügelte Stimmung, und die ist sehr bombastisch-symphonisch, weniger metallisch.

dekadent.si
myspace.com/dekadentband
VM



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