Djamra "14 Faces" (Vital Records 2004)

Toller Krach aus Japan! Djamra sind für abgedrehten Funkrock bekannt, der seine Erfüllung in schräger Intonation findet. Poseidon Records veröffentlichte bereits 2 Alben der Band. Hiroshi Masuda, Labelchef von Poseidon und Guru der japanischen Progszene, hat inspirierten Alben, denen es an sonstigen Makeln nicht mangelt, ein Unterlabel gewidmet. Vital Records ist das Zuhause für allerlei Seltsamkeiten. Djamras "14 Faces" passt sehr gut dazu. 4 Songs, 32 Minuten lang. In der Besetzung Masaharu Nakakita (Bass), Shinji Kitamura (Alt-Saxophon), Enomoto Akihiro (Schlagzeug) und Dai Akahani (Trompete) wurden die Songs live eingespielt (at Fandango 20030504). Der Makel der Produktion springt sofort in die Ohren: der Klang. Der bessere Bootleg-Sound ist aber zu verkraften, wenn man die Musik mag. Und die hat es in sich.
Die Blasinstrumente sind nicht unbedingt Freejazz-mäßig aktiv, jedenfalls nicht ständig. Bass und Schlagzeug halten sich nicht zurück, sondern ballern einen heftigen und nett komplexen Jazz-Funk-Rhythmus, dem es an Eskapaden nicht fehlt. Hin und wieder swingt die Band schon mal herzhaft und ausgelassen, flippt aber regelmäßig in abgedrehtem Balkan-Folklore-Jazz aus. Dann sind die rotzigen Gebläse-Attacken nicht fern, und harsche Disharmonien stehen für die abstrakte Schule wilder, freier Musik. Djamra sind Spezialisten für Verrücktes mit kräftiger Basis. Und auf Grund dieser hart-heftigen Rhythmus-Basis funktionieren die Songs auch für Ohren, die mit Free Jazz nichts anfangen können. Ein wenig Verständnis für Brachial-Ausbrüche ist nötig, mehr nicht. Wer einmal auf der Schaumkrone der Musik sitzt, hört sowieso nicht mehr, dass es laut und schräg ist, sondern nur noch die Stille dahinter.

musicterm.jp/poseidon/
VM



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