douBt "Mercy, Pity, Peace & Love" (Moonjune Records, 12_2012)

Next Level. Ich hoffe nicht, dass die Ankündigung im ersten Track wahr wird: "There is a war going on". Alex Maguire (keys, Sequenzer), Michel Delville (g, Roland GR09, samples) und Tony Bianco (dr, Sequenzer) spielen, während ihre Mitteilung im Background gesprochen wird, ein dunkles, aber entspanntes Motiv, das ohne den Text wohl nur als kleines Interplay in einer anderen Komposition gelandet wäre.
Gleich darauf geht es los. Funk-Jazz mit holprigem Rhythmus, grandios abgefahrenem Keyboardsound, der nur ‚herrlich' zu nennen ist - und darüber, wie ein prachtvoller Sonnenuntergang, Michel Delvilles Jazzgitarrensolo. Das nervöse Stück allein ist die CD wert, alles trieft vor Jazz: Alex Maguires zum Niederknien phantastisches Tastensolo und Tony Biancos pausenloser Rhythmusbruch, endlos virtuos und das Drumset wie verrückt beackernd - dabei hat der Track fett Groove (Keyboards) und Lässigkeit. Die Balance ist fein angerichtet: die hektische Komposition cool eingespielt.
In der Folge arbeiten die Jazzrocker douBt erstaunlich rockbetont. Mancher Song wirkt wie die neuzeitliche Jazz-/Funk-Version alten Hardrocks. Es gibt keine Grenzen, douBt halten sich nicht an erfolgreichen Versionen fest. Nichts ist zu sehr Jazzrock, Progressive Rock, Funk etc. Sehr inspiriert und mit enorm Spielfreude und kraftvollem Zack donnert das Trio durch manche heiße Note in eigenem, unabhängigen Stil!
Ebenso kann ein Stück ins jazzavantgardistisch Ambiente fließen, und gleichzeitig Stille und Lärm sein, frei und sanft, verspielt und konkret, forsch und lässig. "Rising Upon Clouds" ist so ein Track, die Gitarre wabert im Off, das Schlagzeug ackert durch schier undurchschaubaren Swing und die Tasten stampfen Freejazz, als müssten sie die Welt retten. Fabelhaft!
Dazu passt hervorragend das Hendrix-Cover "Purple Haze". Free Hardrock? So etwa. "The Invitation" im Anschluss ist universitärer Electric Jazz. Hochkultur im dezenten Ambiente. Wie ein Fremdkörper. Der warm wird und sich einpasst, die Soli machen das kalte Thema flüssig und lebendig. Der Titeltrack ist mit 12:13 Minuten die mit Abstand längste Nummer auf der CD. Dunkles Brummen steigt auf, und was daraus wird, kann nur ungefähr mit Free Rock und Avant Jazz benannt sein.
Die Beste am Ganzen sind nicht die gut gelungenen, kraftvollen, nachvollziehbaren Kompositionen an sich, sondern das, was das Trio daraus macht. 13 starke Ideen haben sie zusammengetragen, Einflüsse aus Hardrock, Avant Prog, Progressive Rock, Free Funk und Free Jazz werden ideereich und vital verwoben. Das handwerklich illustre Trio mit ungemeiner Spielfreude, furiosen Gitarrensoli, extraordinären Keyboardpartien und verfrickelt hämmerndem Schlagzeugspiel liefert hinreißende Solo-Statements ohne Zahl ab. Wer immer einen Sinn für Klänge aus avantgardistischem Jazz und harten Rock mit starker Tendenz zu freier, improvisativer Struktur und energiereichem, lauten Spiel hat, möge dieses eiskalte glutheiße Album testen.

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moonjune.com
VM





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