El Doom & The Born Electric "El Doom & The Born Electric" (rune grammofon, 16.03.2012)

Skandinavien ist immer wieder für (neue) Überraschungen gut. El Doom & The Born Electric klingen, als hätten sich 1973 Rockmusiker einfrieren lassen, um sich 2011 revitalisiert erneut in die Arbeit zu stürzen. Erster Eindruck: ohne Hardrock gibt es kein Atmen. Die Sucht der Band ist schnell identifiziert. Ole Petter Andreassen (voc, g, perc), Brynjar Takle Ohr (g), Hedvig Mollestad Thomassen (g, hammond) sowie Håvard Takle Ohr (dr) und die 6 teilweise wohlbekannten Gäste Nikolai Hængsle Eilertsen (b, Elephant9), Jazzgitarrist Jon Eberson (g, als Veteran gelistet [immerhin 60 Jahre jung], kam ins Studio, ohne sich stilistisch eingearbeitet oder eingehört zu haben, stöpselte seine Gitarre ein, spielte mit der Band zwei der rasanten Hardrockmonster ein und war zum Abendessen wieder zu Hause), Ståle Storløkken (hammond, Elephant9, Supersilent, gerade mit Motorpsycho aktiv), Mikael Lindquist (hammond, mel), Hilde Marie Kjersem (voc) und Morten Lunde (b) stehen drauf und haben ein gutes Händchen dafür, ihre eigenen Songs mit Schmackes und Verve in altbekannter und eher alter als neuer Art im düsteren Hardrock glänzen zu lassen.
Tausende weitere Einflüsse machen sich überall bemerkbar. Zeitlos moderner Hardrock mit Southern-Feeling, partieller Stoner-Attitüde und starkem 70s Touch trifft auf jazzfreakige und Prog-intensive Instrumentalabgefahrenheit. Die langen Songs hat Chef Andreassen geschrieben, der in mehreren Bands arbeitet, etwa Thulsa Doom und The Cumshot, ein eigenes Studio hat (Caliban Studio), in dem bereits etliche Alben unterschiedlichster Musiker und Bands aufgenommen wurden. Andreassen wurde für 4 norwegische Grammys nominiert, zwei hat er gewonnen.
El Doom & The Born Electric schielt indes auf keinen Preis, keine Eingängigkeit oder leichte Nachvollziehbarkeit für soviel wie möglich Publikum. Die düsteren, harten Songs sind wild und ungemein lebhaft, stets sehr aufgedreht, machen nervösen Druck und poltern in schrägen, jazztriefenden Ideen und legen stets lieber mehr als weniger Kohlen auf.
Zwar sind die vielfältigen Instrumentallandschaften nach den (exzellenten, ausgefallenen) Gesangsdarbietungen nicht unbedingt besonders ausgedehnt oder frickelkomplex, dafür wahnsinnig intensiv, bombastisch und mitreißend. Dröhnend laut nimmt der Sound vollkommen mit und trennt jeden letzten Bewusstseinszipfel von der Realität. Live wird die personell große Band vielleicht noch mehr wildern und donnern, und schon auf ihrem Debüt klingen El Doom & The Born Electric wie live auf der Bühne, mitgerissen von der eigenen Idee, der eigenen Energie, dem vitalen Stoff.
Hier und da machen sich moderne Attribute Platz, mal Stoner-Drahtigkeit, mal Alternative-Eingängigkeit, weniger eher, und nicht als Link für das aktuelle Hörbewusstsein gedacht, eher Versiebzigert, angebrannt und ins wilde Gewässer geschmissen. Die Platte und ihre sieben langen Songs sind von Anfang bis Ende besonderes Erlebnis, angenehm, dass die Gesangslinien ungewöhnlich sind, dass Ole Petter Andreassen eine fragile, vibrationsreiche, passende Stimme hat, die für Hardrock kaum gemacht scheint und doch ein fabelhafter Kontrast zum schweren Sound ist. Und die Gitarren röhren und röhrenů Bleibt zu hoffen, dass das Publikum aufmerksam genug ist.

runegrammofon.com
VM



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