Embryo "Live im Wendland" (Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V., VÖ: 13.09.2007)

Ursprünglich sollte die CD bereits viel früher erscheinen, doch der mit der Produktion beauftragte, im Booklet "Otty" genannte Mischpult-Magier verstarb bei einem Autounfall. Ehe die Aufnahmen auf seinem Computer wieder gefunden wurden, verging einige Zeit. Vordem: Christian Buchard, Altmeister der Embryo-Generationen, wurde gefragt, ob er ein Solidaritätskonzert für den Widerstand gegen die Gorlebener Atomanlagen im Wendland geben würde - und sagte sofort zu. Das Konzert fand am 06.11.2005 im Cafe Grenzbereich in Platenlaase vor vollem Haus statt. Im umfangreichen Booklet kann man einiges dazu lesen, ebenso über die Arbeit der Bürgerinitiative. Embryo ist heute längst nicht mehr die Band, die 1969 gegründet wurde. Und doch klingt der alte Krautrock immer noch aus der psychedelischen Weltmusik. Neben Christian Burchard (Santour, vib, key, perc) gehörten am 06.11.2005 Lothar Stahl (dr, xyl), Jens Pollheide (Nai, fl, b), Valentin Altenberger (perc, b, g), David Drudis (Oud, g) und Mik Quantius (voc) zu Embryo. Letzterer bringt mit seiner tiefen Stimme und seinem einzigartigen Gesang Erinnerung an Captain Beefheart auf die Bühne.
Die rohen, vitalen Songs fließen auf stetem Rhythmus episch dahin. Während der Bass äußerst aktiv im Jazz unterwegs ist, partiell von der Gitarre begleitet, und Vibraphon und Xylophon neben dem Schlagzeug die Songs am Rotieren und Vibrieren halten, entwerfen Flöte, Keyboard, Nai, Oud und Gitarre das harmonische Geflecht, das Folklore-Motive in eigener Sprache wiedergibt. Auf dem Rockgroove, der in den ersten Songs noch dezent, dann stärker die Songs bestimmt, geht das improvisativ wirkende melodische Geschehen sehr gut auf. Mal finden die Songs Volumen, die Instrumente werden lauter, intensiver gespielt, die Harmonie ist dicht und farbig, und dann zerfließt die Struktur, dunkle Melancholie breitet sich aus, vom vielfältigen Rhythmusgeschehen weiter getragen, bis eines der Melodieinstrumente wieder intensiv einsteigt.
Witzig und schräg der Gesang Mik Quantius, der als extravagante Rockröhre gute Chancen hat, viel grandiose Eigenart beweist und selbstbewusst mit den Instrumenten blubbert, jault und schreit, lautmalerisch und in den tiefsten Tönen wie den kratzigsten singt. Als sei er von Tom Waits, Damo Suzuki und Captain Beefheart gleichsam inspiriert.
Ein lebhaftes Konzert, wie aus den Tiefen der Geschichte gekramt. Kein Pop darin zu finden. Die Band geht ganz im Psychedelic-Worldmusic-Jazz-Rock auf. Kategorien haben es heute auch nicht mehr leicht. Da könnte Milt Jackson auf der Bühne stehen. Mit südeuropäischen und vorderasiatischen Musikern, die eben einen wirkungsreichen Joint geraucht haben und ihre Songs nicht beenden mögen und wollen. Wenn das Wort Zeitgeist passt, dann in der Spanne von 1954 bis 2007. Endloser Groove, der auf der CD grandios in diesem feinen Klang gut kommt. Die CD ist für 10 Euro + 2 Euro Versandkosten unter presse@bi-luechow-dannenberg.de zu beziehen.

VM



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