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Eric Glick Rieman "In My Mind, Her Image Was Reversed" (Accretions 2011)
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Eric Glick Rieman ist nicht der pure Avantgardist, für den ihn dieses Album auszeichnet. Der Solokeyboarder geht nicht an sein Instrument, tonale Zerstörung zu dokumentieren. Er ist auf der Suche. Sein neuestes Werk "In My Mind, Her Image Was Reversed" ist ein Gang in die Stille, so etwas wie der Pfad abseits aller großen Wege, der noch im Lichtschatten von Jazz-Fusion und Electric Jazz steht. Die Harmonien sind Jazz, aber da sind nicht nur Harmonien. Eric Glick Rieman spielt sein elektrisches Rhodes Piano herkömmlich - und darüber hinaus. Sein Instrument ist modifiziert, präpariert und erweitert.
Was harmonisches Spiel, ist überwiegend auf herkömmliche Weise eingespielt. Und dann sind da die Klangschwingungen, Klangahnungen, Vibrationen, dunklen Schwelltöne, seltsamen und kaum ob ihrer Entstehung nachvollziehbaren rhythmischen und arhythmischen Schlaggeräusche, die schon mal klingen, als ginge Rieman (gleich Fred Frith) mit der Zahnbürste über Saiten, hier wohl über Korpus und Elektrik des Instrumentes - und der modifizierten Teile, der präparierten, der zusätzlichen.
Das Resultat ist überwiegend ein Mix aus Jazz(dis)harmonien, die in tiefer Lyrik und zarter Melancholie weich und schöngeistig, angenehm und einschmeichelnd eingehen, ohne schlicht oder öde, ohne angepasst oder auf Höreingängigkeit getrimmt zu sein, und diesen unfassbaren seltsamen Klängen, die aus unwillkürlichem Rhythmus, verspielter "Instrumentbearbeitung" und Klangmodifikation bestehen.
Opener "Forgetting Belief" ist ob seiner schüchternen Stille vielleicht nicht gerade einladend, potentielle Hörer brauchen so einige Muße und Zeit, den Klang zu erobern und zu verstehen - und ihn auch nur annehmen zu wollen. Und doch eröffnet ebenso der tief auspendelnde Ruhereigen seine zartdunkle Melancholie, die von Beginn, als sie schließlich einsetzt, betört. Track zwei wirkt kaum beschwingter, indes fängt das Stück gleich an, ohne langen, kaum wahrnehmbaren Vorlauf. Die dritte Note läuft über 18 Minuten und ist - in aller Lyrik - der avantgardistischste Part der CD. Wie ein Hörfilm läuft das (a)tonale Geschehen ab, und nur wer die innere Ruhe und interessierte Neugierde besitzt, sich dem Avant Jazz zu widmen, der zart und kuschelig angenehm und längst nix smooth ist, gerät in den seltsamen Bann dieser, ja, Neuen Musik.
Vier weitere Stücke folgen, alle machen neue charakteristische Klanglandschaften auf. Alle sind interessant und intelligent, und die Frage türmt sich ins zeitgeistige Gedenken, ob es mehr als ein paar Spezialisten gibt, die sich aus dem Lärm ihrer Existenz lösen, um ein wenig therapeutische UND ästhetisch schöngeistige UND avantgardistische Klänge zu erobern, um das innere Tempo aus dem täglich überbordenden dämlichen Medienschlepptau zu zerren.
Empfehlung dafür - - -
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VM
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