Faith No More - Angel Dust (Slash 1992)

1992 lieferten Faith No More in der Besetzung Mike Patton (vocals), Mike Bordin (drums), Roddy Bottum (keyboards), Billy Gould (bass) und Jim Martin (guitar) ihr bestes Album ab.... diese Aussage treffe ich im Jahr 2004, nachdem ich dieses Album jahrelang gehasst habe und es nach dem Erwerb weit hinten in meinem CD-Schrank vergraben hatte. Aber: Wenn man einen Fehler gemacht hat, dann sollte man das eben zugeben....

...dieses Album ist purer progressive Metal und noch dazu der Beweis, dass es einen Ansatz für diesen Musikstil ausserhalb des "Dream Theater"-Kosmos gibt! Vielen werden sagen: Wo ist denn das "Progressive"? Wo ist denn das "Metal"? Die Mischung macht's! Wann hat man jemals eine derartige Mischung aus Hard-Rock, Metal, Funk, Rap und Pop-Musik :-) gehört....

Mit "Land Of The Sunshine" donnert das Album gleich los, als ob es kein Morgen gäbe... dabei ist weniger die Gitarre als diese absolut groovige Kombination aus Funkbass und Donner-Drums, die den Song so antreibt. Die geniale Stimme von Mike Patton gibt dem Ganzen den Rest.

In diesem Stil geht es erstmal weiter (den Smash-Hit "Midlife Crises" hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört) bis "RV" eine Art Kontrapunkt setzt. In einem Tom Waits-artigen Song mit hüpfendem Rhythmus im Bar-Sound erzählt Mike Patton mit rauchiger-brüchiger Stimme die Geschichte eines gescheiterten Mitvierzigers. Dramatisch!

Die folgenden Titel lassen's dann wieder in dieser unnachahmlichen Mischung aus Funk-Grooves, Rock-Gitarren und Donner-Drums so richtig krachen. Dabei gibt's immer wieder kuriose bis geniale Einfälle, die den Hörer herausfordern und mitreissen... so zum Beispiel der Kirchenorgelbeginn von "Be Agressive" sowie der Cheerleader-Chor im gleichen Song, der so "nett" den Refrain buchstabiert... Yeah! B-E-A-G-R-E-S-S-I-V-E!

"A Small Victory" bietet wieder eher einen Ruhepol, bis dann "Crack Hitler" und das heftige "Jizzlobber" den geneigten Hörer wieder durch den Irrgarten des Rockwahnsinns jagen. Bei aller Abgedrehtheit bleiben die Songs doch immer nachvollziehbar und geniessbar... eine gewisse musikalische Offenheit vorausgesetzt (siehe oben: Es zündet vielleicht nicht immer gleich, man muss schon ein bisschen "reif" für diese Musik sein!).

Zum Abschluss wird's dann noch richtig seltsam: "Midnight Cowboy" ist ein Instrumental-Stück und klingt wie die Interpretation einer Country & Western-Filmmusik. Und das Lionel Ritchie-Cover "Easy" (mein ursprünglicher Kaufgrund für dieses Album) kennt wohl jeder und es wirkt richtiggehend lächerlich normal nach all dieser musikalischen Achterbahn.

Falls jemand diesen Klassiker der modernen Rockgeschichte noch nicht besitzt: Kaufen! Ist z.Zt. überall für kleines Geld erhältlich...

Thomas Kohlruß




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