F.H.C. "One locus which consists of three fragments" (Vital Records 2003)

Die Bemerkung auf dem Backcover: "we make 21st century schizoid musik" ist eine glatte Untertreibung. F.H.C. erfinden eine Avantgarde, die einerseits auf den Inspiranten John Zorn und King Crimson fußt, auf der anderen Seite das illustre und tiefe Musikverständnis der involvierten Musiker (deren Namen nur in japanisch angegeben sind) zeigt. Eine weitere Art, Jazz und Rock zu verbinden. 19 Parts braucht es, um die knappe halbe Stunde Musik zu füllen. 19 einzeln anwählbare Tracks, die drei längere Stücke bilden, ohne diesen eine inhaltlich besonders verbindende Struktur zu geben. Die Japaner meinen, es sei primitive Musik, die eine Menge Energie lostritt. Energie, das kann ich meinen, entwickeln F.H.C. gewaltig. Dass ihre Einspielung, die Art der Songs, das Arrangement und die Komposition primitiv seien, nein, da kann ich nicht einstimmen. Gewiss ist die rude und alles perfekte beiseiteschiebende Interpretation keine fein ziselierte Kunst, sondern bewusst hart, schräg und gegen den Schädel inszeniert. Aber das in einer gekonnten und melodisch überraschenden Art und Weise, die jedes Denken an Primitivität verbietet. Nein, F.C.H. entwerfen eine tonale bis atonale Überflut, in der man schnell ertrinkt, wenn man darin nicht schwimmen kann. Die sanften Gemüter unter den progressiven Jazzrockern werden hilfeschreiend die Flucht ergreifen, was um so mehr die abgebrühten und undurchschaubares Zeug hörenden Typen an die Boxen bringt, die auf gerade diesen Lärm stets warten und selten bis wenig sie interessierende Alben zu hören bekommen. Atmosphärisch sehr dicht und geschickt eingespielt, ist dies ein wildes Teil, das auf höhere Logik verzichtet, statt dessen im klassischen Trio Gitarre, Bass und Schlagzeug plus gelegentlich Violine und Banjo, Voice und "Noiz" illustren Lärm produziert. Macht so richtig Freude!!!

VM



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