Fido Plays Zappa "Too Big To Fall" (Czar of Crickets 2010)

Zappa-Coverbands gibt es wie Meeresstrände samt Sand, Steinen, Wind und Wellen. Und eine jede sucht ihren eigenen Ausdruck, manche sind extravagante Techniker, der instrumentalrasanten Finesse ihres Vorbildes bis zum Herzinfarkt ausgeliefert, andere versuchen sich am textlichen Œuvre, diese mögen FZ nur bis 1968, jene nur 1973 und der eine oder andere gewiss alles zusammen, was nur unter FZ bekannt ist.
Fido Plays Zappa gehören zu den extravaganten Handwerkern, die technische Rasanz mit lockerer Hand vital und energisch in Fluss bringen, dass nur zu staunen und genüsslich rückzulehnen bleibt. Und doch spielt das 10-köpfige Basler Ensemble nicht ausgedehnte Instrumentalepen, sondern komprimiert die zappa-typische Komplexität in überwiegend drei bis 4 Minuten lange Interpretationen. Die Arrangements sind ungemein flüssig, hier und dort sind Sprengsel weiterer Zappa-Kompositionen in die Fido-Versionen eingebaut: klitzekleine, nur Sekunden lange, aber markante, typische Partien, die dem geneigten Freak sofort ein Schmunzeln abringen. Jazzrock ist die Basis, davon ausgehend schwingt die Band ihre Songs mal in Latinosphären, in Jazz, Swing, beinahe Country, knackigen Rock, fast schon Easy Listening, in fröhliche Poppigkeit, in harsche Free Attacken, atonalen Freigeist, stets mit cooler Attitüde, mit schwarzem Humor und frisch rasierten Ideen.
Von den 17 Stücken sind 13 Zappa-Interpretationen, allesamt Klassiker, allesamt wohl bekannt, tausendfach gespielt und interpretiert. Und doch haben die Fido-Versionen ein markantes, eigenes Leben, die absolute Berechtigung. Mit vielfältigen Überraschungen frisch und flott gespielt, oftmals um den 70er Zeitgeist entkernt und locker und lässig neu aufgeschlagen. Bis auf einige wenige Ausnahmen wird die Band kaum extrem free oder krass, auffällig gut geht die Platte runter, kommt als Kompliment für den geneigten Hörer an, und trotz aller entspannten Lässigkeit sind die Songs ungemein straff und herzhaft arrangiert, kein Tönchen ist zu lang, keine Idee zu fad, das Publikum wird die Band auf der Zappanale 2011 lieben!
Die drei ersten Eigenkompositionen sind kurze Sprengsel, im ersten Fall harsch und free, im zweiten melancholisch zart, im dritten experimentell verspielt und im vierten - da legt die Band erst richtig los. Ganz zum Schluss, als das Programm abgespielt ist, fast schon als Zugabe zu verstehen: 16 Minuten "Musician's Salary", nachdenklich und verspielt beginnend, radikal aufbrechend und ungewöhnliche Strukturen samt Mellotron-Gewitter entfachend. Dieses phantastische progressive Stück ist ein verblüffender Höhepunkt der CD, Zappa-Inspiration in eigenem Geiste, eigener Kreativität und Komposition. Die Basler Band beweist extravagantes künstlerisches Verständnis weit über stilistische Grenzen wie Rock und Jazz hinaus und verbindet eindrucksvoll in Neuer Musik Zappas und eigenen Geist. Davon bitte demnächst ein ganzes Album!
Wenige Zappa-Coverbands haben so großartige Möglichkeiten wie Fido Plays Zappa. Die handwerklich-technische Qualität des Ensembles ist enorm; die straffe Führung der Arrangements in moderner, zeitloser Handschrift schenkt den Klassikern neues Leben ein; die Band erliegt keinen kompositorischen Tücken und meistert das schwere Œuvre mit eindrucksvoll leicht und eingängig klingender Finesse. Hoffentlich bringen sie zur Zappanale genügend Alben mit, das Auditorium wird's danken.

fidoplayszappa.com
VM





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