Fire! Orchestra "Exit!" (Rune Grammofon 2013)

Das Fire! Orchestra ist wie ein Gewitter. Es kündigt sich unterschwellig, doch stetig an, wächst und wird beherrschend, arbeitet seine ganze Gewalt ab, schleudert Blitze, donnert, das Menschen und Tiere still werden, regnet, stürmt, peitscht, steht und bleibt, macht den Eindruck, dass doch nie wieder etwas anderes als nur dieses eindrucksvoll düstere Wetter herrschen kann, wie soll der Himmel jemals wieder hell, blau und licht werden!, da zieht es weiter und es wird wieder hell, blau und licht.
Die 34 Musiker des Fire! Orchestra bauen auf ein minimalistisch mäanderndes Fundament eine Free Jazzrock-Orgie, die stets erhaben, großartig, beherrschend und bestimmend klingt. "Exit" ist in zwei Parts gegliedert, One (19:29) und Two (24:54).
Im Grunde zelebriert das Fire! Orchestra so etwas wie Future Blues, als Erben von Albert Ayler, nur längst nicht in diesem musikalischen Sinn, davon gewiss etwas, viel mehr aber ist hier das skandinavische Jazz/Rock-Gen im Einsatz, elegische Düsternis kraftvoll, ausdrucksstark, betäubend in der schieren Größe, selbstbewusst, wild, leidenschaftlich & gleichzeitig diszipliniert Stimmen, Bläsern, Gitarren, und vor allem Bass & Schlagzeug als Basis großen, schweren, dunklen, weiten Raum zu geben, dessen inneres Timbre enorme Amplituden schlägt und die Big Band Bläser, wenn diese gemeinsam ézuschlagen', im irrsinnig grandiosesten musikalischen Wahnsinn zeigt, dieser besonderen Schräge, exakt eingesetzt und doch, als sei der freieste, unabhängigste Musiksinn verrückt und genial aus seiner Hülle gebrochen und streife frei umher. Wahnsinnig und fesselnd noch längst, wenn in den letzten Minuten von One das grandiose Thema verebbt und stetig weiter in sich pulsiert.
Two beginnt mit Gesang, freiem Gesang mit viel Hall über elegischen Tasteneinzeltönen, woraus sich beständig und lang angelegt des Wahnsinns zweiter Angriff aufbaut, der nicht ganz so hoch pulst, dafür mit mehr Manie und Ekstase betrieben wird. Two setzt auf minimalistischere Inhalte, als würden Free Jazz und Psychedelic World Rock in Ekstase tanzen. Doch die Wucht des ersten Teils kann nicht mehr erreicht werden, weil da alle Energie alle Aufmerksamkeit einforderte und das Ohr erschöpfte. Two setzt einen drauf und fordert noch einmal alles ein, mit freierem Geist, freiem Gesang eines erwachsenen Kindes in seiner bunten Einzelwelt, dazu die Bläserattacken, die Rockband, der Draht, die Nerven, die Spannung. Mal wie Leere eingesackte Energie, wie ein Kinderspiel oder ein staubiger Vormittag, daraus bricht die schärfste Wildheit, frei, elegant, intelligent, als stamme es von anderer Welt. So gut gespielt, so locker und saftig ist die Band unterwegs, das nur zu staunen bleibt, das eine solche abgefahrene, urkomisch todernste Idee von einem so großen Ensemble so intensiv und grandios gedacht, komponiert, arrangiert und aufgenommen angegangen und umgesetzt wurde.
Wenn es Musik wie "Exit!" gibt, hat die Welt Zukunft.

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VM





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