Forever Einstein "Racket Science" (Cuneiform 2005)

Das schöne am Progressive Rock ist seine Vielfältigkeit, seine Variation in alle Richtungen. Forever Einstein sind ein gutes Beispiel dafür. Die Spielart des Trios basiert nicht auf europäischer klassischer Musik oder Jazz, sondern auf Blues, Bluegrass, Western Music, Cartoon Soundtracks und Country. Es gibt keine emotionalen Aussagen, die Band arbeitet knochentrockene, aus schwarzem Humor zu bestehen scheinende Stücke eigenartig schräg und völlig unkonventionell rational aus. Und das machen sie mit nüchtern wirkender lustiger Selbstverständlichkeit und kühler, gewitzter Lässigkeit. Charles O'Meara (der sich bis vor kurzem noch C.W.Vrtacek nannte, g), John Roulat (dr) und der Neuzugang Kevin Gerety (b) spielen Songs, die man staubtrocken nennen könnte. Zuerst wirkt das befremdlich und durch seine scharfkantigen Harmonien unnahbar. Doch je öfter sich die CD im Player rum treibt, umso mehr entfaltet sich ihr Potential.
Schon der schnoddrige Opener ist purer Humor. Das schräge Motiv gleich zu Beginn klingt wie Alaska-gefriergetrocknete King Crimson, nur dass Meister Fripp zur Country- statt zur Rockgitarre gegriffen hat. Die besten Stücke sind dann auch die mit dem schlitzohrigen Witz, nach dem Opener sind das Song Nummer 3, 4, 6, 7, 10, 11 und 12. Die Songs selbst haben irre lange Namen, die etwa "It's almost impossible to concentrate in this café with all these leggy belgian girls walking around in miniskirts" heißen - ja, so klingt die Musik dann auch!
Nonsens pur, aber verschlagen interessant gemacht. Ecken und Kanten allerorten, als hätte die rhythmische Kälte des New Wave diese Auswüchse getrieben. Die Songs dazwischen, Nr. 2, 5, 8 und 9, sind etwas schlichter, balladesker und entwerfen nicht diesen Witz, haben nicht diese maschinenartige Art melodisch-improvisativer Soli und Motive. Der neue Bassist bringt Kevin Gerety mit seiner Fretless Technik etwas Wärme in die Songs, was die auch gebrauchen können. So ist die Ausstrahlung nicht ganz so eisig und schräg, gewinnt die Harmonie der Stücke einen Hauch von Freundlichkeit, was dem urwüchsigen Humor nichts antut.
Forever Einstein haben sich nicht die Musik ausgesucht, die ihnen viele Freunde und Fans einbringt. Wer die Zeit und Energie mitbringt und sich in diesen eigenartigen Kosmos einhört, wird aber dasselbe Schmunzeln auf den Lippen haben, wie die Band beim Spielen der Songs.

forevereinstein.com
cuneiformrecords.com
VM



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