Fughu „Human – The Tales“
Fughu „Human – The Facts“
(Eigenproduktionen 2013)

Hier haben wir es mit einem Doppelschlag der Argentinier zu tun.Zuallerst fällt der absolut fesselnde Gesang von Santiago Bürgi auf; er könnte der kleine Bruder von Eric Clayton (Saviour Machine) sein. Manche mögen diese Art der Intonierung als „übertrieben“, „theatralisch“ oder „Melodramtisch“ bezeichnen, aber ich liebe ein solches Durchleben der Texte, die es übrigens in sich haben – wie so oft wird gehaltvolle Musik verbal auf adäquatem Niveau begleitet. Die restlichen Bandmitglieder sollen nicht vergessen werden; es sind dies Ariel Bellizio (Gitarren), Marcelo Malmierca (Keyboards), Juan Manuel López (Bass) und Alejandro López (Schlagzeug). Auf der Gästeliste stehen solch illustre Namen wie Jeff Kollman oder Damian Wislon. Die Musik auf „The Tales“ ist interessant arrangierter Prog Metal mit deutlicher Schlagseite zum Prog Rock, der von diversen Einflüssen durchtränkt ist; mal wird es psychedelisch, mal wummert der Disco-Groove, mal gibt man sich neukunstrockend. Als Referenzen seien zuvörderst Fates Warning, Saviour Machine und gelegentlich Sieges Even genannt. Auf „The Facts“ wird die Chose dann deutlich schwarzgalliger im Sinne eines Eiertanzes zwischen Trauer und Wut. Luftig-ambiente Teile wechseln mit derb-metallischen Ausbrüchen, was die Band ziemlich einzigartig macht, denn sie zelebrieret dieses Changieren zwar regelrecht, doch wirkt es hier herrlich unprätentiös und passt thematisch sehr gut in den Kontext. Sogar Quietschekeyboards, nicht zu verwechseln mit käsigen Sounds, sind zu hören. Die stimmliche Darbietung besitzt eine riesige Varianzbreite und reicht von Sprechgesang über Flüstern bis hin zu Belcanto. Man stelle sich vor Daniel Gildenlöw sänge bei Devil Doll und dies gelegentlich sogar auf Deutsch - „Ist das das Deutschen-Klassensiemer?“ Für mich sind Fughu die metallsich-irisierende Quintessenz aus Bands wie ELP, Van der Graf Generator, Symphony X und Queen. Dieses Werk sollte mehrfach in verschiedenen Grundstimmungen gehört werden; jedes Mal entfaltet es (zumindest bei mir) eine andere Wirkung, die aber immer ein einen weiteren Durchgang fordert. Das kann ich bei weitem nicht von jedem Album behaupten. Caramba!

fughu.com

Frank Bender




Zurück