Geyers "Lästerzungen" (Geyers Records 2004)

"Lästerzungen" präsentiert den Histo-Rock der süddeutschen Mittelalter-Kapelle Geyers. Die Anzahl der Instrumente, die die Band in den 13 Songs spielt, ist groß. Da gibt es Geräte mit so seltsamen Namen wie Drehleier, Rauschpfeifen, Gemshörner, Nyckelharpa oder Skinudu, dazu natürlich das notwendige Rockinstrumentarium wie elektrische Gitarre, Bass und Schlagzeug. Albert Dannenmann, Thomas Roth, Jost Pogrzeba, Georg Hesse und Maik Walter sind die elektrischen Geyers. Sie geben ebenso auch ein akustisches Programm, in dem die genannten Mittelalterinstrumente sowie Djembe, Udu und weitere geheimnisvolle Teile zum Einsatz kommen.
Die neue CD beschäftigt sich jedoch ausschließlich mit dem Rock-Programm, das an mittelalterliche Kompositionsweisen angelehnt ist. Die Songs rocken erstaunlich gut, machen ungemein Spaß und immer wieder neugierig darauf, was wohl als nächste instrumentale Überraschung folgen wird.
Die Band hat auf etlichen Mittelaltermärkten und Festivals gespielt, hat TV-Auftritte absolviert und gar Ritchie Blackmore zu seinem Blackmore's Night - Projekt inspiriert. Doch Ritchie Blackmore gelingt sein eigenes Projekt längst nicht so gut wie Geyers. Und weil er das weiß (und seit fast 20 Jahren mit Musikern aus der Band befreundet ist), hat er ein, wie schön, elektrisches Gitarrensolo in einem Song (God's Gospel) beigefügt. So ist es recht, lieber Ritchie, und jetzt gib deinem eigenen Projekt mal wieder ein bisschen Pfeffer!
Geyers wissen die Songs in ein interessantes Arrangement zu kleiden, da gibt es längst keine Allgemeinplätze, keine langatmigen Parts. Die Songs sind interessant und knackfrisch aufgebaut. Die Jungs äh, Männer, sind technisch ausgezeichnet begabt und wissen ihre Instrumente wohl zu bedienen, das Hören ist ein einziger Genuss. In instrumentalen Parts gibt es häufig Soli vom Dudelsack, mittelalterlichen Blasinstrumenten oder der elektrischen Gitarre, dann darf es auch mal richtig hart rocken.
"Lästerzungen" sagt es schon, hier werden feine Texte gesungen. Ein schönes Teil ist der "Karmeliter", ein böser, lustvoller Text. In den Songs geht es um Wein, Weib und Gesang, Einsamkeit, Alter und die Liebe. 2 englischsprachige Songs sind dabei und einige rein instrumentale, die etwas forscher sind, hier geben die Instrumente das volle Programm. Die CD hat ein ansprechendes Layout, die Produktion ist rund und voll wie die Lieder darauf und kann nur empfohlen werden. Sicher werden Geyers live noch dynamischer und ausgeflippter zu Werke gehe, die Band sollte man im Auge behalten.

geyers.info
VM



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