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Curtis Glatter / Nathan Hubbard "Rivulet" (Circumvention Music 2006)
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Die beiden Multiinstrumentalisten und Sampler, Phonographer und Soundexperten Curtis Glatter und Nathan Hubbard haben mit "Rivulet" ein wahrhaft avantgardistisches Werk geschaffen. Die 3 Tracks auf der CD wurden zwischen Mai und Dezember 2004 eingespielt. Beide Musiker haben dafür erheblich viele Instrumente benutzt, vor allem diverses Rhythmusinstrumentarium, das sie nicht nur im klassischen Sinn benutzen. Field Recordings sind zu hören, Geräusche der Außenwelt, mit Mikrophon aufgenommen und am Laptop gemixt.
Das über 27 Minuten lange "Vampyr" eröffnet den Horizont der CD. Kein Geräusch, kein Ton der seltsamen, fast ambient wirkenden Geräuschkunst wirkt dabei störend oder fehl am Platz. Schritte, Wind und andere Geräusche sowie der Klang der Instrumente werden zu einem ungeahnt interessantem Sound, der angenehm ist und in allem Lärm hörangenehm und eingängig, wenn man neugierig genug ist, den Tönen auf ihre Dauer zu lauschen. "Vampyr" ist ein atmosphärisches Hörspiel, sensibel inszeniert und von komplexer tonaler Musiksprache, die vor harschen, lauten Tönen keineswegs zurückschrecken und ebenso spannenden Field Recordings auch leisester Art Raum geben. Interessant der Einbau eines klassischen Chorwerkes, das verfremdet nicht zu erkennen ist, aber als Bombastmotiv in die Klangorgie passt. In den leisen Momenten sind Flüsterstimmen, Reifenrollgeräusche, Laufschritte, ist Quietschen und Rascheln zu hören, und Töne, die sich anhören, als grübe jemand einen Boden auf oder um. Verrücktes Stück Musik, nicht ohne Witz und schon gar nicht anstrengend, und sehr unterhaltsam.
"Mobile: Alabaster", über 24 Minuten lang, ist im Vergleich dazu weniger interessant, dabei beginnt der Track sehr gut. Ein schräg-virtuoses Schlagzeug-Solo, dazu Klangschalen und allerlei andere Tongebilde machen die aufgeregte, erregte Stimmung. Erstaunlich jedoch, was daraus wird. Die Note wird melodisch und harmonisch, verliert ihre ultraschnell gespielte Virtuosität und wird melodieselig dick und gar kitschig - zumindest für dieses Niveau. Mit Popmusik oder allgemeiner Elektronik ist das nicht zu verwechseln, die Musik ist Avantgarde pur. Doch in diesem Zusammenhang verliert das Stück leider. "Meikyu" als 19-minütiger Abschluss der CD, beginnt repetitiv-minimalistisch, was etwas anstrengend ist. Eine wenig variable, laute und klare Vibraphon-Figur beherrscht das Entree, untermixt von Meeresrauschen. Nach einigen Minuten verliert sich die beherrschende Vibraphon-Figur und das Motiv fließt auseinander, wird meditativ und klangschön, melodisch ist "Meikyu" weich und luftig, hat aber eine harsche Note.
Curtis Glatter und Nathan Hubbard sind inspirierte Musiker und "Rivulet" ist ein außergewöhnliches Klangobjekt. Das begabte und inspirierte Duo hat ein schönes, wildes Werk geschaffen, das mich persönlich nicht hundertprozentig überzeugt. Die Überraschung und Spannung des Werkes ist jedoch unglaublich und selbst in den "weicheren" Momenten nicht ohne Kraft. Grandiose Kunstmusik für Interessierte extravaganter Klänge.
castorandpolluxmusic.com/glatterhubbard/
circumventionmusic.com
VM
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