Hidden Path "before my eyes" (Eigenproduktion 2005)

Hidden Path ist das Soloprojekt des italienischen Multiinstrumentalisten Daniel Realphe, der sämtliche Musik, Lyrics und Arrangements geschrieben hat, komplett alle 11 Songs allein eingespielt, gemixt, gemastert und produziert hat und als Soundingenieur zuständig war. Alle bildliche Kunst hat Julian Castillo geschaffen, die komplette restliche Arbeit hat Daniel Realphe selbst gemacht.
Nebenher bedankt er sich bei den Musikern, mit denen er bereits gespielt hat, die er aber lieber nicht an sein geliebtes Konzept ließ, weil seine Befürchtung, die auch einst Mike Oldfield zum Solisten machte, dass keiner es so gut könne, wie er selbst, ihn dazu trieb. 7 der 11 Tracks sind rein instrumental und da lodern die Feuer hoch. Hidden Path widmet sich dem extrem komplexen und kompositorisch intensiven, überaus ausgefeilten und facetten- und notenreichen Progressive Metal. Vorweg, technisch ist alles bestens gelungen. Wie kann dieser einzelne Typ nur diese Arbeit bewältigt haben? Extrem komplex das wilde Spiel, von Soli, heftig frickeligen Passagen übersät, die alle paar Sekunden lang von anders betonten Passagen abgelöst werden. Allein die rhythmische Arbeit war Mord. Das Gros der Schlagzeugarbeit ist wohl auch elektronisch geschehen, das hört man nicht der Komplexität, wohl aber dem Klang an, oder Daniel benutzt elektronisches Equipment.
Die vokalen Songs unterscheiden sich nicht sehr von den instrumentalen. Die Gesangsstimme ist ebenso verschnörkelt und kompliziert geschrieben, wie in den instrumentalen Songs die, ja, instrumentale Ausarbeitung. Natürlich erfindet Daniel die Welt des Prog Metal nicht neu. Mal hat sich ein Stück Yngwie Malmsteen in seinem Gitarrenspiel verewigt, dann knüppelt er brutalen Metal, nur so komplex, dass man es kaum nachvollziehen kann, darüber schweben esoterische Keyboards und der Bass schießt wie ein Maschinengewehr. Alle Achtung, das ist ein Album für alle Progmetal Fans, die es nicht heftig genug bekommen können. Besonders faszinierend ist, dass die melodischen Linien keineswegs typisch sind, sondern schon mal sehr abstrakte und eigenwillige Wege gehen können und damit angenehm überraschen. Gewiss ist Daniel zuerst einmal Gitarrist. Das ist vor allem seinen Gitarrensoli anzuhören, die wie Geburtswehen klingen, es kommt, kommt, nein, noch nicht, kommt, kommt, nein, immer noch nicht…, und dann bricht es raus.
Hin und wieder verlässt er seinen geliebten Prog Metal und spielt, wie in "Timeless Existence" balladeskes Material, das nicht zu lyrisch und kitschig klingt, aber auch nicht besonders toll ist. Der komplette Fehlgriff entpuppt sich in der aufwändig inszenierten, einminütigen Pompparade "Meine Freude" als Cover von Johann Sebastian Bach. Dass er es musikalisch drauf hat, kann man auch so begreifen, warum er das Thema hier zum kitschigen Jubilieren bringen muss, versteht wohl nur seine Mutter. War ihm wohl selbst nicht ganz geheuer, darum schließt sich gleich wieder heftiger Metal an. Progmetal Fans kommen hier voll auf ihre Kosten, vor allem diejenigen, die es extrem mögen. Starker Auftritt des Solisten Daniel Realphe, dessen Projekt mit Hidden Path wohl nur den falschen Namen trägt.

justforkicks.de

VM




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