Ian Tordella "Magnolia" (Circumvention Music 2010)

Erstaunlich leicht und locker, eingängig und lyrisch, herkömmlich fast, ohne banal zu sein und instrumental nicht ausgefallen sind die Kompositionen des Tenorsaxophonisten Ian Tordella auf seinem Album "Magnolia". Für das Label Circumvention zumindest. Die Songs sind alles andere als dumm, kein Allerweltsjazz, sondern exzellente Handwerksarbeit, intuitiv eingestimmt, inspiriert, be- und verzaubernd. Die komponierten Strukturen, die Soli und Improvisationen - die Band beweist lockere Hände, kluge Köpfe, und solistisches Gespür.
Florian Weber (p), Jeff Miles (g), Jeff Denson (b) und Brian McLaughlin (dr) - die Nachnamen irritieren mich zuerst etwas: und so ganz fern sind Miles und McLaughlin auch nicht. Der 50er Jahre Miles Davis, der heutige John McLaughlin. Mit den besten Zeiten der Namensverwandten hat die Band dann jedoch eher kaum Parallelen.
Die Songs sind überwiegend balladesk, und wenn ein Stück wie der Opener und Titeltrack über siebeneinhalb Minuten seine forschen Attribute abfeuert, macht das ungemein Spaß und ist große Unterhaltung, faszinierendes Hören auf vor allem die Solohände Webers und den drahtigen Bluesbass Densons. Die Balladen indes sind von einer Tiefe und Lyrik, wie sie im Modern Jazz - und im ausgezeichneten Klangbild der Aufnahmen - wo ein jeder Tastenanschlag, Saitenklang und Beckenton wie die einzelnen Töne des Saxophones und die zarten Gitarrenfiguren nur ungemein berühren, von höchster Innigkeit sind und nur mit ihrer Lässigkeit überzeugen, alles weitere Handwerk ist kaum zu spüren, so intensiv ist das Bandinterplay.
Und doch, die Songs fahren kaum extravagante Abstraktismen, die Soli sind wie die Improvisationen eher zart und melodisch, nichts, selbst in der Aufgefahrenheit der Themen, wenn die Band ausbricht und die höchste Erregung den Song zum Kochen bringt, fährt keine Note aus der Haut, explodiert keine Energie, lösen sich keine Gewaltsplitter, bleibt alles harmonisch und freundlich. Frappierender Weise trommelt Brian McLaughlin ein paar Mal rocktypisch, was dem - reinen - Jazzsound gut steht und ihm in all seiner Zartheit einige dufte Power einverleibt.
Doch harmlos ist anders. Was die Band aus Tordellas Kompositionen macht, wie die Musiker mit Verve und Elan die lichten, lebensfrohen Noten erhellt und schön macht, ohne dass Kitsch oder Fernsehpausenmusik draus wird, hat Charme und beweist neben aller Eleganz die Intention der Band, nicht radikale Avantgarde sein zu müssen, um kein schnöder Pop zu sein.
Nun, ich habe einmal mein Fahrrad zu diesem Sound geputzt (war dringend notwendig), ein anderes Mal die Küche auf Vordermann gebracht und dann saß ich auf der windschiefen Steinbank hinter dem Haus Richtung Bodden (nicht ohne Bier) und ließ die Klänge über (eine mäßige Anlage) aus dem Wintermuff der Bude in den Garten durch mich strömen. Na ja, und jetzt habe ich das hier dazu geschrieben.
Lässiger Sound. Mein Nachbar war weitaus weniger irritiert als sonst, und einen Moment lang legte er seinen Arm über den Lattenzaun und erhob sein Gesicht in Gedanken, bis er meinte: "die sind gut, Mann".

iantordella.com
circumventionmusic.com
VM





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