Interview mit Frank Perry im Juni 2006


Bereits in den frühen neunzehnhundertsiebziger Jahren lotete der damalige Jazz- und Avantgarde-Schlagzeuger Frank Perry die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Klangschalen und anderen hauptsächlich asiatischen Metallinstrumenten aus, immer auf der Suche nach "Good Vibrations", die sich auch im therapeutischen Kontext einsetzen ließen, für den er sich in zunehmendem Maße interessierte. Darüber hinaus beschäftigte er sich unter anderem mit Philosophie, Musiktheorie und Malerei; all diese und etliche weitere Dinge - unter anderem erfand er eine Vielzahl von Metallinstrumenten, die er in Handarbeit aus der PAISTE-Bronze fertigte - sind auf seiner umfangreichen Webseite (frankperry.co.uk) dokumentiert. Heute kann er unter anderem auf Dutzende von CD-Veröffentlichungen zurückblicken, ist aber noch lange nicht am Ende seines Weges angekommen.


ragazzi: "In welchem Alter entwickelte sich dein Interesse für Musik? Förderte deine Familie oder ein Lehrer dieses Interesse?"
Frank: "Das war im Frühjahr 1964, als ich fast 16 Jahre alt war. Mein Interesse für Musik wurde von niemandem gefördert. Ich stand kurz vor meinem Schulabschluss und fragte mich, welchen beruflichen Weg ich einschlagen sollte, als mir der Gedanke kam, es doch einmal als Musiker zu versuchen. Ein Mitschüler hatte nämlich einen Rhythmus ("Wipeout") auf einem Pult gespielt und ich hatte ihn gebeten, mir den Rhythmus zu zeigen; ich hatte ihn sofort nachspielen können: Also hatte ich ihn nach weiteren Rhythmen gefragt und er hatte mich zu dem Typen geschickt, der ihm den "Wipeout"-Rhythmus gezeigt hatte. Dieser hatte mir dann zwei Standard-Rock-Rhythmen vorgespielt, die ich innerhalb von zehn Minuten hatte nachspielen können. Am nächsten Tag hatte ich ihn nach weiteren Rhythmen gefragt und er hatte mich zu dem Schüler geschickt, der ihm die Rhythmen beigebracht hatte, dem besten Schlagzeuger der gesamten, aus über 900 Jungs bestehenden Schule. Dieser hatte mir Jazz-Rhythmen und Unabhängigkeitsübungen gezeigt, die ich in weniger als einer Stunde hatte nachspielen können. Tags darauf hatte ich ihn gebeten mir noch mehr zu zeigen. Er hatte es nicht glauben können, dass ich diese Übungen so schnell hatte gelernt haben können und hatte mich gebeten sie ihm vorzuspielen. Als ich dies getan hatte, hatte er mir versichert, dass er zum Erlernen dieser Rhythmen fünf Jahre gebraucht hatte. Ich übte für mich allein weiter und etwa fünf Jahre später belegte ich einen Jazz-Kurs und lernte in wenigen Unterrichtsstunden Schlagzeugnoten zulesen. Daraus resultierend schrieb ich meine eigenen Rhythmusübungen. Danach hatte ich keinerlei Unterweisung irgendwelcher Art mehr."
ragazzi: "Warst du nur am Schlagzeug interessiert oder spieltest bzw. spielst du auch andere Instrumente wie z. B. Klavier, Flöte, Gitarre?"
Frank: "Vor dem Schlagzeug spielte ich keine anderen Instrumente, aber in der frühen siebziger Jahren kaufte ich mir einige chinesische Flöten, die ich noch immer gerne spiele, wie auch eine Sheng und eine chinesische Trompete. Außerdem praktiziere ich tibetischen tantrischen Untertongesang (seit 1972/73) sowie mongolischen Obertongesang (seit 1980) - beides habe ich mir selbst im jeweils ersten Versuch angeeignet. Roger Smith lieh mir in den späten siebziger Jahren eine Gitarre und ich verbrachte einige Zeit damit herauszufinden, wie ich mein Gehör fokussieren konnte, um sie zu stimmen. Als ich Roger die Gitarre zurückgab, sagte er ich habe sie perfekt gestimmt."
ragazzi: "Welche Art der populären Musik hat deines Erachtens die größte spirituelle Kraft?"
Frank: "Diejenige, die von spirituell entwickelten Komponisten und Musikern geschaffen wurde (oder gespielt wird von Menschen, durch die spirituelle Musik aus dem transzendenten Bereich in den von uns wahrnehmbaren Schwingungsbereich fließt); dabei ist es völlig egal, mit welchen Attributen man diese Musik belegt. Natürlich dient (wie auch immer geartete) Rockmusik vor allem zur Stimulierung des Wurzel-Chakras und repräsentiert somit niedrige spirituelle Energieebenen. Was die sogenannte Weltmusik betrifft: Heilige Musik, die verschiedenen religiösen Richtungen entstammt, vor allem tibetischer Gesang, klassische indische Musik (besonders Dhrupad) sowie japanische Zen-Musik leiten sich von einer jeweils großen spirituellen Tradition her. Für den Jazz gilt: Vor allem der späte John Coltrane und der frühe Albert Ayler - innerhalb gewisser Grenzen beschränkt die musikalische Form spirituelle Energie oder aber setzt sie frei; beispielsweise kann eine Blues-Band mit esoterischen Texten keinerlei Resonanz mit der von ihr gewählten verbalen Aussage erzeugen, da die Blues-Form entstehungsgeschichtlich eng mit menschlichem Elend verknüpft ist, während Popsongs eigentlich für Teenager gedacht sein sollten, die primär mit Herzschmerz-Angelegenheiten oder anarchischen Reaktionen auf vermeintliche Restriktionen jeglicher Form von Autorität beschäftigt sind. "Music For Zen Meditation" von Tony Scott ist einer meiner alten Favoriten aus den sechziger Jahren."
ragazzi: "Gab es für dein Interesse an Klangschalen, Gongs und anderen Metallklängen ein spezielles Schlüsselerlebnis?"
Frank: "Während ich mein Schlagzeugspiel zu "spiritualisieren" suchte, hörte ich Jon Stevens (S.M.E - 1968) einen kleinen Tisch-Gong spielen und wusste sofort, dass dies die Art von Instrumenten war, nach denen gesucht hatte. Mein Vater kaufte mir bald danach einen Gong in einem Kramladen - ich habe ihn noch immer - und seitdem sind mir Hunderte von Metallinstrumenten "zugelaufen", um ihr Leben bei mir zu fristen."
ragazzi: "Du hast kurze Zeit in der Kult-Band HENRY COW getrommelt; gibt es davon irgendwelche Tonaufnahmen?"
Frank: "Ich habe einiges auf R2R - kann mich aber nicht daran erinnern, von welcher Qualität die Aufnahmen sind. Auf jeden Fall sind es Mono-Aufnahmen, die mit einem billigen Mikrophon gemacht wurden und sie sind fast 40 Jahre alt. Ich zog von Mildenhall, wo ich mit HENRY COW probte und das in der Nähe von Cambridge liegt, im Januar 1970 weg."
ragazzi: "Sind einige der Jazzplatten aus den siebziger Jahren, auf denen du zu hören bist, auf CD erhältlich?"
Frank: ""Blueprint" und "Ovary Lodge", die damals als LP auf RCA/Victor erschienen waren, sind als CDs erhältlich, wurden allerdings von einem anderen Label veröffentlicht. Außerdem ist "Frames - Music For An Imaginary Film" als Doppel-CD erhältlich."
ragazzi: "Öffnete der Jazz für dich die Tür zur improvisierten Musik im allgemeinen?"
Frank: "Ja - zumindest in Form eines bewussten Akts. Ich bemerkte allerdings, dass ich bereits in einer Blues-Band namens BLACK CAT BONES mit Paul Kossoff an der Gitarre, der später mit FREE bekannt wurde, improvisiert hatte; dies war auch der Grund, warum mich meine damaligen Mitmusiker als ungeeignet für ihre Zwecke, alle Blues-Songs zu covern, empfanden. Als ich 1968 die CHICAGO BLUES BAND verließ um Jazz zu spielen, stolperte ich geradewegs in eine Kollektiv-Improvisations-Geschichte ohne jegliche Kompromisse; ich spielte außer einer kurzen Phase im Sommer 1970 also niemals "orthodoxen" Jazz, obwohl ich selbst in diesem Jazz-Trio Stücke von Ornette Coleman und John Coltrane spielte."
ragazzi: "Gibt es unter deinen vielen Einspielungen eine Lieblings-Aufnahme von dir und wenn ja, aus welchem Grund?"
Frank: "Das ist wirklich sehr schwer zu sagen, denn ich mag sie eigentlich alle irgendwie und wenn es nur aufgrund der damit verknüpften Erinnerungen ist. Aber vielleicht kann ich doch einige Favoriten benennen: "Deep Peace" (1980), denn wann immer ich krank werde, höre ich mir diese Aufnahme wegen ihrer Heilkraft an; "Chakra Healing" (2001), weil ich aus verschiedenen Gründen über zwanzig Jahre warten musste, bis ich diese Musik in der gewünschten Form einspielen konnte und weil sie einen Meilenstein in meiner Arbeit, wie auch "Deep Peace", darstellt. Manchmal denke ich, dass im Falle meines Ablebens oder des Endes meiner musikalischen Karriere "Chakra Healing" die musikalischen Ziele meiner jetzigen Existenz erfüllt hat, aber auch "Deep Peace" war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, was ich auch von vielen Kritikern und Freunden bestätigt bekomme. Prinzipiell ist jede meiner Aufnahmen genauso individuell wie meine Instrumente. Auch wenn ich bisher elf CDs mit tibetischen Klangschalen veröffentlicht habe, ich möchte mich nicht wiederholen!"
ragazzi: "Wie wurdest du 1973 PAISTE-Endorser?"
Frank: "Evan Parker, ein Freund, mit ich im FRANK PERRY TRIO gespielt hatte, kannte Pierre Favre. Ich kaufte Pierre ein Paar PAISTE-Hi-Hats ab. Später schlugen mir Trevor Taylor und/oder Paul Lytton vor mich bei PAISTE als Endorser zu bewerben und so schickte ich einige meiner Platten in die Schweiz - meine Bewerbung wurde akzeptiert und das war's."
ragazzi: "Du hast viele Metallinstrumente wie z. B. die Petalumines, die Pyrahermeezees, die Pyrotahermeezees, die Trianguhermeezees, die Ufoms, die Sun Rays und die Spirotapetals erfunden; besteht eine Möglichkeit für andere Musiker diese Instrumente käuflich zu erwerben - vielleicht ist PAISTE interessiert einige davon in Serie zu produzieren."
Frank: "Das bezweifle ich. Ich fertigte sie mühsam in Handarbeit - für ein Instrument brauchte ich ungefähr acht Stunden. Könnte die Firma PAISTE allerdings überzeugt werden, dass eine gewisse Nachfrage besteht, würde eventuell in die Technologie investiert werden, um solche Instrumente maschinell herzustellen, was die Fertigungskosten beträchtlich vermindern würde."
ragazzi: "Kannst du versuchen die von dir entwickelten Kompositionstechniken zu erläutern um eine Balance zwischen formalen und formlosen Aspekten der musikalischen Improvisation mit deinen Klangschalen und Gongs herzustellen?"
Frank: "Eine Technik, die ich benutze, um ein harmonisches Schwingungsfeld zu erzeugen, ist einen Satz Klangschalen nach deren Schwingungsverhalten zusammenzustellen. Ich muss beispielsweise darauf achten, wenn ich eine Schale mit der tonalen Qualität "spiritueller Friede" spiele, dass alle anderen Schalen, die mit dieser zusammen erklingen sollen, ebenfalls eine Friedensqualität besitzen. Eine andere Technik ist es Wiederholungen zu spielen, allerdings in leicht variierter Form, indem ich etwa Noten hinzufüge oder weglasse; so kann eine aus fünf Noten bestehende Phrase in eine in eine aus sechs Noten mutieren, aus der beim nächsten Mal sieben Noten werden und so weiter. Eine Phrase kann außerdem auf Instrumenten mit höherer oder tieferer Stimmung wiederholt werden, was in etwa einer Transponierung gleichkommt. Des Weiteren kann ich ein Horoskop für den Ort und die Zeit des jeweiligen Auftritts erstellen. Davon ausgehend kann ich bestimmte musikalische Parameter festlegen, die sich in Harmonie mit den Energien des Horoskops befinden. Ich kann dann diese Schwingungsfelder als grobe Spielstruktur nutzen, von der ich allerdings gelegentlich abweiche, wenn ich dazu während des Konzerts inspiriert werde oder mir quasi umgekehrt von ihnen die ungefähre Richtung während einer Improvisation weisen lassen. Man kann sich ersteres wie einen geplanten Urlaub vorstellen, meinetwegen einen Englandurlaub, für den man sich vorgenommen hat, die Oxford Street zu besuchen. Wenn einem aber, in England angekommen, jemand von einem tollen Ort berichtet, gibt man seinen ursprünglichen Plan, die Oxford Street zu besuchen auf und geht statt dessen dorthin. Im letzteren Falle schlendert man durch eine unbekannte Stadt mit der Absicht CDs zu kaufen und geht in jeden Musikladen, den man dabei entdeckt in der Hoffnung dort interessante CDs zu finden, wobei man leicht die Zeit vergessen kann. Meine Musik besitzt einen "versteckten" Aspekt, den spirituellen Zweck des Stückes, der gleichzeitig in dieser Musik eine Schlüsselrolle spielt und auf den alles ausgerichtet ist. Deshalb sind auch die Stillephasen in meiner Musik nicht ohne Wirkung, denn es passiert nicht "nichts", sondern die äußere Stille ermöglicht es dem ansonsten verborgen bleibenden inneren Sinn sich zu manifestieren. Es existiert in diesem Kontext eine direkte Verbindung zum Nada Yoga - dem Yoga des Klanges, speziell auf Anahata Nada, den ungeschlagenen Klang bezogen. Die von mir ausgewählten Klänge stehen in Beziehung zur stets latenten "stillen" Schwingungsebene meiner Musik. Manchmal zeitigen spontane Akte ein kontrastreicheres Spiel und in anderen Fällen ist erforderlich in ihrem Schwingungsverhalten sich widersprechende Klangfelder zu generieren, um den im oben erwähnten Horoskop gefundenen Entwicklungen Ausdruck zu verleihen oder die vom Auditorium ausgehenden Energien zu transformieren, um es in Resonanz mit den jeweils bestehenden astrologischen Energiequalitäten zu bringen."
ragazzi: "Auf deiner Webseite erwähnst du PAISTE Symphonic Tuned Gongs, die nach bestimmten Sternzeichen gestimmt sind - kannst du bestimmte Modelle nennen?"
Frank: "In meinem Artikel habe ich meine Erkenntnisse veröffentlicht, die nicht unbedingt mit den Aussagen von PAISTE kongruent sind. Das tiefe C entspricht demnach dem Sternzeichen Jungfrau, das hohe Dis dem Sternzeichen Stier, das hohe Gis dem Sternzeichen Krebs, das A in der mittleren Oktave dem Sternzeichen Wassermann u.s.w."
ragazzi: "Du hast eine spezielle Form der Klangtherapie entwickelt, das "Spiritual Sound Healing"; wie funktioniert diese Methode und ist es jedem Menschen möglich sie zu praktizieren?"
Frank: "In der Theorie ist es jedem möglich sie zu praktizieren, aber nur wenige sind tatsächlich dazu befähigt. Klangtherapeuten, die nach meiner Methode arbeiten wollen, brauchen als Grundvoraussetzung einige der speziellen Fertigkeiten, die ich besitze. Die Fähigkeit dazu ist in jedem Menschen angelegt, aber nur wenige haben sie entwickelt. Es gibt zwar Möglichkeiten, solche Defizite auszugleichen, aber dafür müsste ich zunächst Klangschalen auswählen, die für diese Heilmethode besonders geeignet sind und die Aspiranten lehren, wie diese Klangschalen benutzt werden und sie im Anschluss mit Farbtherapie, Astrologie, Chakras, Nadis etc. vertraut machen, da mein System auf der menschlichen Aura sowie den Chakras fußt und sich die spirituellen Aspekte von Klängen zunutze macht, die sich bei weitem nicht auf ein rein physikalischen Verständnis von Schwingung beschränken. Manchmal fragen mich Leute: "Welche Note repräsentiert das Element Feuer?" Aber selbst wenn jemand eine solche Note entdeckte, sie in einen Synthesizer einprogrammierte und diesen dann die Note tage- oder gar wochenlang spielen ließe - würden allein daraus resultierend dann Gegenstände anfangen zu brennen? Sicherlich nicht! Wenn aber ein mit gewissen Dingen vertrauter Musiker diese Note in einer speziellen spirituellen Absicht spielen würde, so könnte er tatsächlich eine Manifestation des Feuers herbeiführen. Es bestehen also grundlegende Unterschiede zwischen dem allgemeinen und einem spirituellen Verständnis des Begriffes "Schwingung", die mit der Bewusstseinsentwicklung des jeweils diesen Begriff verwendenden Individuums zusammenhängen."
ragazzi: "Existiert eigentlich ein besonderer Trick, den man beim Auswählen von Klangschalen, welche die Chakras zu beeinflussen in der Lage sind, beachten sollte oder kann man dem Resonanzprinzip entsprechend nach dem Motto "Good Vibrations" verfahren? Gibt es neben den "Chakra Gongs" von PAISTE weitere Instrumente, die du zur Stimulierung der Chakras empfehlen kannst?"
Frank: "Ich würde für diesen Zweck nicht die PAISTE Chakra Gongs empfehlen; ohnehin bin ich nicht der Ansicht, dass diese Gongs die Chakras in irgend einer Weise beeinflussen können. Man muss eine Weile an seinen Chakras gearbeitet haben, um sie aus ihrem "Dornröschenschlaf" zu erwecken, damit man beurteilen kann, ob ein Klang auf ein bestimmtes Chakra einen Einfluss besitzt. So gesehen könnte man tatsächlich sagen, es gibt einen speziellen Trick, aber nur sehr wenige Experten sind in der Lage, sich dieses Tricks zu bedienen."
ragazzi: "Wie kamst du in Kontakt mit der Musik von Alan Hovhaness? Welche anderen Komponisten verwend(et)en viele verschiedene Metallklänge in ihren Werken?"
Frank: "Ich war - wie auch Alan Hovhaness - Mitglied in der Francis Bacon Society und einige alte Damen, die ebenfalls dieser Gesellschaft angehörten, berichteten mir von ihm und seinem Kompositionsansatz westliche und östliche Musik zusammenzuführen, da sie wussten, dass ich viele aus Asien stammende Instrumente besaß. Andere, in dieser Hinsicht empfehlenswerte Komponisten sind Olivier Messiaen, Pierre Boulez, Giacinto Scelsi, John Cage, Lou Harrison, Alain Kremski, Eduoard Michael oder Morton Feldman."
ragazzi: "Bist du, was die Verwendung von Instrumenten innerhalb deiner Musik anlangt, Purist oder planst du vielleicht irgendwann auch andere Instrumente als Klangschalen, Gongs und Glocken einzusetzen, beispielsweise Schlagzeug, Vibraphon, Marimba, Balaphon oder wie auch immer geartete ethnische Percussion?"
Frank: "Nein, auf keinen Fall. Als ich in den frühen siebziger Jahren mit OVARY LODGE spielte, integrierte ich bereits verschiedene Gongs, Bells und andere Metallobjekte (Radkappen, Getriebe-Zahnräder, Kuh/Schaf/Ziegen/Kamelglocken sowie diverse Wind Chimes), außerdem Glasglocken und -schüsseln, Wood- und Skull-Blocks in mein Schlagzeug."
ragazzi: "Meiner Ansicht nach wäre es sicher sehr interessant, wenn ein Mann mit deinen Klang-Kenntnissen und deinen rhythmischen Fähigkeiten ein mit vielen verschiedenen Metallklängen ausgestattetes Schlagzeug spielen würde, wie dies beispielsweise Pierre Favre, Alex Cline oder Andrea Centazzo tun; vorstellbar wäre aber auch ein Duett mit deinem Sohn, der ebenfalls ein guter Schlagzeuger sein soll."
Frank: "Sicher, sicher - andererseits gibt es ja aber die bereits von dir genannten Trommler, die dieses Feld in wunderbarer Weise "beackern". Alex Cline berichtete mir übrigens, dass mein Spiel mit OVARY LODGE und dem FRANK PERRY TRIO ein wichtiger Einfluss für ihn war. In seinem im Buch "Percussion Profiles" enthaltenen Interview äußert sich Alex zu diesem Thema. Während meines Percussion Solos auf "Frames", das in dieser Hinsicht als exemplarisch gelten kann, spielte ich viele metallische Klänge zusammen mit Wood Blocks und anderen Instrumenten. Außerdem spielte ich ein Solo mit ähnlicher Instrumentierung auf dem Album "Amethyst, Gold & Royal Blue My Way Of Saying Thank You" von OVARY LODGE und auf der LP "For The Love Of " befindet sich sogar ein Solostück von mir. Das OVARY LODGE-Solo wurde zusammen mit einem anderen meiner Soli von 1973/74 letztes Jahr auf "Tibetan Singing Bowls Volume 11" veröffentlicht."
ragazzi: "Kannst du einige von Klangschalen oder Gongs begleitete Meditationsübungen nennen, die sich speziell für Kinder und Jugendliche eignen?"
Frank: "Ich weiß wirklich nicht, wie viel Platz du für die Beantwortung dieser Frage vorgesehen hast. Selbst um nur eine solche Übung zu beschreiben, müsste ich weit ausholen. Außerden hinge die Auswahl der Übungen vom Alter der jungen Menschen ab. Um dir wenigstens einen vagen Hinweis zu geben - ich würde Tibetische Klangschalen (Dingsha) verwenden und damit improvisieren. Außerdem könnte man die Kinder bitten beim Spielen von Klangschalen genau zuzuhören und sie das Ende des Klanges bestimmen lassen."
ragazzi: "Was sollte jemand, der Klangschalen kaufen möchte, unbedingt dabei beachten?"
Frank: "Das wichtigste ist auf Qualität zu achten. Man sollte möglichst viele verschiedene Töne beim Anschlagen der Schale hören können, was ein gutes Gehör erfordert. Ich spielte einmal eine Klangschale in Gegenwart eines Toningenieurs an und er konnte nur einen Ton hören - ich hörte aber fünf verschieden Töne! Man sollte sehr genau hinhören, um feststellen zu können, ob das Obertonspektrum laut genug ist und der Grundton schnell oder langsam schwingt. Außerdem sollte man die Schale immer wieder anschlagen und versuchen herauszufinden, welche Wirkung das jeweilige tonale Spektrum auf einen selbst hat. Dabei kann es hilfreich sein auch mit einem geeigneten Schlegel am äußeren Rand entlang zu reiben. Wenn die Schale nach dem Anschlagen für mindestens 20 Sekunden nachklingt, erzeugt sie meist auch ein zufriedenstellendes Klangergebnis, wenn sie gerieben wird. Manche Schalen klingen nur gut, wenn sie angeschlagen werden, andere nur dann, wenn sie gerieben werden. Schlegel aus Buchenholz sind für Klangschalentests quasi universell einsetzbar. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob die Schalen aus Bengalen, Bhutan oder sonst woher sind, sie sollen nur gut klingen und zu dem Käufer sprechen. Oftmals sind die Schlegel, die zusammen mit einer Schale verkauft werden, völlig ungeeignet - man erhält mitunter den gleichen Schlegel, egal ob man eine Schale mit einem Durchmesser von 8 oder 45 Zentimetern kauft. Des weiteren ist die Holzart manchmal nicht optimal, um der Schale das volle Klangspektrum entlocken zu können - für Yang-Schalen (mit verdicktem Rand) sollte man Schlegel aus Hartholz verwenden, Yin-Schalen (Wandstärke überall gleich) benötigen dagegen für optimale Ergebnisse ein weicheres Holz. Abschließend kommt es noch darauf an, ob ein Schlegel mit oder ohne Überzug ausgestattet ist und im ersteren Falle, ob der Überzug aus Gummi, Leder oder sonstigen Materialien besteht. Manche neuen Schalen klingen sehr gut; es ist deshalb nicht erforderlich, sich von Händlern für teueres Geld alte Stücke aufschwatzen zu lassen."
ragazzi: "Eine Klangschale sollte nach Aussage einiger Experten aus sieben verschiedenen Metallen bestehen - stimmst du diesem Rat zu?"
Frank: "Überhaupt nicht - gebräuchliche Legierungen bestehen aus 3 bis 12 Metallen. Man sollte aber in diesem Kontext einige Hintergründe kennen, z. B. die astrologischen Herrscher der sieben Metalle. Außerdem sollte man die Energiequalitäten der Planeten spüren können; hat man lange genug über die Energien jedes Planeten meditiert, kann man etwa erkennen, ob Gold in einer Schale vorhanden ist. Durch das bloße Betrachten einer Klangschale kann man eine solche Aussage nicht treffen. Manche der modernen Hersteller täuschen mitunter durch die Verwendung von Kupfer die Anwesenheit von Gold vor und einem Händler würde ich bei einer diesbezüglichen Aussage prinzipiell zunächst einmal nicht trauen."
ragazzi: "Gibt es bestimmte Krankheiten, die durch eine Therapie mit Klangschalen oder Gongs gelindert oder gar geheilt werden können?"
Frank: "Mit Klangschalen konnte ich alle möglichen Dinge wieder ins Gleichgewicht bringen - Gongs benutze ich allerdings nicht zu Heilzwecken. Eine Frau, die seit ihrer Geburt an einem pochenden Geräusch in ihrem Kopf litt, war bereits nach einer Sitzung davon befreit; ein junger Mann hatte nach einem Handgelenksbruch große Schmerzen, die nach 5 Minuten verschwunden waren; eine andere Frau, die ihre Körperhaltung alle 2 Minuten ändern musste, blieb während der gesamten 1 Stunde dauernden Sitzung in der gleichen Position. Momentan therapiere ich beispielsweise eine Frau mit Brustkrebs, die bereits nach 2 Sitzungen in einer sehr positiven Weise auf die Behandlung anspricht. Das alles hat aber mindestens genauso viel mit der Persönlichkeit des Heilers wie mit den Instrumenten zu tun! Ich habe eine sehr schöne Schale aus dem 12. Jahrhundert und manche Leute sagen: "Eine wundervoll klingende Schale!" Darauf erwidere ich gewöhnlich: "Würde sie genauso klingen, wenn Mrs. Thatcher sie spielen würde?"
ragazzi: "Hältst du es für möglich aus einem Buch zu lernen, wie man Menschen mittels Klangtherapie heilen kann?"
Frank: "Nicht wirklich. Ich komme gerade von einem Gong-Seminar zurück. Der Mann, der diesen Kurs organisiert hatte, spielt und verkauft Klangschalen. In seinem Geschäft hängt zwar ein Schild mit der Aufschrift "Klangschalen für Meditation und Klangtherapie", aber nicht eine der Schalen aus seinem Sortiment, die ich anspielte, war aufgrund ihres Schwingungsverhaltens in der Klangtherapie einsetzbar. Sie hatten zwar alle einen guten Klang, aber nicht einmal für die Meditation eigneten sie sich in besonderem Maße. Viele der erhältlichen "Praxisbücher" zum Thema Klangschalen basieren auf der westlichen C-Dur-Tonleiter - Klangschalen werden aber nicht nach irgendeinem tonalen System hergestellt; möchte jemand solches glauben machen, so ist seine Kompetenz in Zweifel zu ziehen! Jede Schale klingt absolut eigenständig, sogar das Obertonspektrum unterscheidet sich. Probiert man Hunderte von Schalen aus, kann man darunter einige finden, die einzelne Chakras beeinflussen können. Hat man ein eine solche Schale gefunden, geht es darum herauszufinden, welchen Effekt sie auf das entsprechende Chakra ausübt. Außerdem kann man auch nicht davon ausgehen, dass eine größere Schale einen tieferen Ton als eine kleinere erzeugt. Die Tonhöhe hat vielmehr mit der Herstellungsweise zu tun; es gibt also keinerlei Regeln, anhand derer man das Klangverhalten systematisieren kann. Ich habe recherchiert, dass es wenigstens 45 verschiedene Methoden zur Herstellung von Klangschalen gibt. Den Grundunterschied habe ich schon anhand von Yin- und Yang-Schalen erklärt; diese beiden Gruppen lassen sich jeweils deutlich im Klangverhalten und daraus resultierend in der Wirkungsweise voneinander abgrenzen. Man kann sogar ohne große Schwierigkeiten zwei oder mehr Schalen finden, die sich äußerlich stark ähneln, aber verschieden klingen. Wie kann man da als "Experte" schreiben, dass der potentielle Leser diese oder jene Art von Klangschalen für jeweils genau definierte Zwecke einsetzen soll? Ein und dieselbe Schale kann verschieden klingen, wenn sie mit unterschiedlichen Schlegeln angespielt wird und auch die folgenden Dinge wirken sich auf den Klang aus: Hält man den Schlegel fest oder locker in der Hand, hält man die Schale in der Hand oder liegt sie auf einem Kissen, aus welchem Material besteht das Kissen und wie groß ist es im Verhältnis zur Schale? Man kann beispielsweise nur mit Bestimmtheit sagen, welche Wirkung der Klang einer Schale haben wird, wenn der "richtige" Ton erklingt, besonders bei Wasser-Klangschalen."
ragazzi: "Woher hast du eigentlich all deine verschiedenen Klangschalen?"
Frank: "Meine "sprechende" Klangschale, die über 1000 Jahre alt und sehr selten ist, erhielt ich vom tibetischen Meister Dilgo Khyntse Rinpoche, dem Lehrer des Dalai Lama und Oberhaupt der Nyingma-Schule. Einige wie z. B. meine "Panik"-Klangschale oder meine "pfeifende" Klangschale tauschte ich mit bzw. erwarb ich von dem Tibetologen Dr. Alain Presencer, andere kaufte ich bei Händlern. Ich war wegen des Kaufs von Klangschalen noch niemals im Ausland - sie alle sind zu mir gekommen."
ragazzi: "Besteht prinzipiell die Möglichkeit dich in naher Zukunft auch einmal in Deutschland hören zu können?"
Frank: "Falls ich eingeladen werde und es zeitlich ermöglichen kann - kein Problem!"

Frank Bender




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