Steve Jansen "Slope" (Samadhisound/Galileo Music, VÖ: 16.11.2007)

Kurz gesagt: "Slope" ist ein kunstvolles, jazztrunkenes, tief lyrisches und schlicht wunderschönes Ambient-Album. Verwunschene Sounds, dezente rhythmische Akzente von gesampeltem Marimba und allerhand computergenerierter Perkussion, Electronics, Soundsamples, elektrische Gitarre und Saxophon weben einen leisen, zarten, stets harmonischen - und dabei auch schon mal erheblich schrägen und eigenwilligen, avantgardistischen Musikstil, der großes, extravagantes musikalisches Feeling eröffnet. "Silence is the new loud" findet in "Slope" eine aufgeweckte Jazzvariante, von Beats und Loops wie von originären Instrumentenklängen getragen. Steve Jansen ist der Mann für die Samples, elektronische Perkussion, Synthesizer, für Schlagzeug, Marimba, Fender Rhodes, Piano und "string arrangements". Theo Travis, bei interessanten Projekten immer öfter und vielseitiger anzutreffen, spielt Klarinette, Flöte und Saxophone. Einige weitere Musiker waren in die Einspielung dieses kuscheligen Werkes involviert, so der Ambient-Experte David Sylvian, der sich schon den Ritterschlag holte, bevor er mit Robert Fripp zu ambienter Kunstmusik anhob und mit Jansen seit langem verbündelt ist (Ex-Japan).
Musikliebhaber werden die kleinen beißenden Disharmonien, die melodischen und rhythmischen Brüche lieben, die trotz aller Sanftheit und Gleichmäßigkeit Kanten und Ecken in die Songs setzen. Das sind harsche Sounds, weit ins Off gemixt, aber wirkungsvoll - zum Beispiel mitten im elfenhaften Gesangspart Anja Garbareks, der allein schon eine gewisse emotionale Zweideutigkeit hat - oder Soundsamples, Stimmen, Geräusche, Kratzen, Pfeifen oder Brummen - wäre dies alles laut, sprächen wir von Harsh Noise. So aber eingefügt, murmeln die Songs sich zu einer dichten, sanften Musik zusammen, deren Trompeten- und Saxophonschnipsel und -soli wie die grundlegenden Kompositionen samt den ausgefallenen Klangschnipseln die jazzmelodische Rettung vor zeitgeistigem Ambientsound sind. Schönes Werk, dessen 50 Minuten und 12 Tracks gerade richtig in den düsteren Herbst passen und trotz dunkler Töne viel Licht und Wärme geben. Die schönsten Songs sind natürlich die mit David Sylvians Gesang, dieser einzigartigen Stimme.

stevejansen.com
samadhisound.com
VM



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