|
Jason Robinson "cerberus rising" (Circumvention Music 2009)
|
"Cerberus Rising" ist sein Soloalbum. Tenorsaxophon solo. Da bekommen auch Jazzfans Angst. 15 Songs, zwischen zwei und sieben Minuten lang - nur Tenorsaxophon? Nichts weiter? Gewiss, soviel Tiefe darin zu finden wie Jason Robinson selbst, das ist hart, kaum nachzuvollziehen. Zudem, der Anfang ist schwer. Das eröffnende "Cerberus" setzt zuerst auf nur einen Ton, einen langen, schier endlosen Ton, auf dass sich Schweiß im Nacken sammelt und leichter Schwindel aufkommt: wie durchstehe ich das nur?!?
Doch dann, sobald dieser Ton verebbt ist und sich das Muster des Songs entwickelt, melodische Energie und melancholische Melodieabstraktionen sich durch den Track ziehen, beginnt das Blut wieder zu pulsieren, die Lähmung lässt nach, entspannte Stimmung steigt wie aufgehende Sonne über die Haut und Robinsons Spiel bekommt Farbe und Harmonie.
Der Mann ist ein illustrer Improvisateur, gerade der nackte Klang, ganz ohne Band, macht den gebremst wilden, witzig trampelnden und die Skalen überaus neugierig abgrasenden Sound des Instrumentes überzeugend.
Free Jazz? Fehlanzeige. Diese Spontan-Improvisationen sind harmonischer als etliches, was Jason Robinson mit Begleitung gespielt hat - und er hat in vielen Jahren mit unzähligen Musikern aus der Free Form, Improvisation- und Jazzszene zusammengearbeitet. Hin und wieder bohrt er sich stur in ein Thema, kratzt am Ton, bis jede Variation passiert ist, dann verzieht er sich, kehrt wieder mit neuem Anlauf zurück, so ist das sechsminütige "Palimpsest (for Kid)" zustande gekommen.
Die leichteren Motive sowie die nachdenklich-melancholischen verführen mehr als die hartnäckig wilden, die jedoch wiederum mehr verrückte Melodie-Ideen drauf haben und keinem Muster folgen. So ist "Arachnoid" vielleicht der innigste Höhepunkt der langen CD, höchstens vom komischen "Pia Mater" übertroffen, das an Berliner Straßenecken erdacht sein könnte oder vom siebeneinhalb minütigen "Creator Variation 2", dessen zweiter, oder besser erster Teil am Ende der CD nach weiterer Variation des Themas sucht. Verrückte Idee!
jasonrobinson.com
circumventionmusic.com
VM
Zurück
|
|