Joe Pass "12 String Guitar/The Stones Jazz" (Liberty Records 1963/66 / BGO 2009)

Joe Pass (1929 - 1994) ist ein Klassiker. Der Jazzgitarrist sammelte seit 1943 als Solist Bühnenerfahrung. Seine Vorbilder waren Charlie Christian und Django Reinhardt. Er gründete seine eigene Band, zog Ende der 40er Jahre nach New York, auf Grund schwerer Drogenprobleme blieb es jedoch bis Anfang der Sechziger Jahre still um ihn. Nach seinem Comeback "The Sounds of Synanon" (1961, mit Arnold Ross, p) folgte Album auf Album. Bis 1993 veröffentlichte Joe Pass in unzähligen Besetzungen, als Solist, mit verschiedenen Bands und als Begleitung großer Künstler wie Ella Fitzgerald, Les McCann oder Frank Sinatra, Duke Ellington, Count Basie und Johnny Griffin (um nur einige wenige zu nennen) manchmal mehrere Alben pro Jahr.
"12 String Guitar" ist ‚Great Motion Picture Themes' untertitelt. Die 12 Songs beweisen die scheinbare Leichtigkeit Pass' Handschrift. Joe Pass verstand es, Jazz für die breite Masse zu erschaffen, der eingängig und leicht nachvollziehbar war, ohne billig zu sein. Sein Spiel an der akustischen wie der elektrischen Gitarre war vielseitig und technisch über alle Zweifel erhaben. Pass spielte mit Swing- und Bebopgrößen, prägte den Gitarrenjazz, und wurde, nachdem er vom Jazzimpresario Norman Granz gefördert wurde, ein großer Star. Die Songs strahlen Leichtigkeit aus, haben lebhaftes Flair und mitreißende instrumentale Finessen. Zwar sind die Songs eingängig, aber längst nicht wie heutige Popmusik billig. Alle Stücke sind Klassiker, stammen aus den Federn von Mancini, Jobim, Bacharach oder Jarre und gewinnen in der flotten, satten, rhythmisch rasanten Farbigkeit Joe Pass' und seiner Band an neuem Charakter. "Sunday in New York" ist dabei, "Fall of Love", "How The West Was Won", "It Had Better Be Tonight", "Lawrence of Arabia" oder "Call Me Irresponsible" - allesamt Songs aus der Filmgeschichte, die bis heute in unzähligen Varianten gespielt worden sind und nach wie vor Hits sind.
Dem leichten, unterhaltsamen 1963 "12 String Guitar" folgt das etwas rockigere "The Stones Jazz", 1965 eingespielt, ein Jahr darauf veröffentlicht. 11 frühe Kompositionen der Rolling Stones sind zu hören. Joe Pass hat das Potential der wachsenden Rockmusik und der Stones erkannt und sich große Hits der Band zu Eigen gemacht.
Swing und eine Prise Rock'n'Roll, leicht, eingängig, schmerzfrei und unterhaltsam gespielt zeigen eine ganz andere Seite der Songs als im Original. Nichts ist aggressiv oder hart, nichts wild oder leidenschaftlich. Die Songs fließen entspannt dahin, von Piano, Orchester und Pass' wunderbarer Gitarrenarbeit intoniert. Der einzige deftigere Teil ist das für damalige Verhältnisse kräftigere Drumming in einigen der Songs. "19th Nervous Breakdown" klingt, als sei es instrumentale Basis für einen Sinatra-Hit. "Play With Fire" ist eine flotte Tanznummer, "Mother's Little Helper" Sonnenuntergang-Swing. Die auffälligste Verwandlung erlebt "(I Can't Get No) Satisfaction". Aus der aggressiven Nummer ist ein hübsches Liedchen geworden, das rhythmische Finessen entwickelt, dem Orchester Raum gibt und Pass samt Rockschlagzeug für einen kleinen Solomoment mal rocken lässt, bis der Schmusejazz das Arrangement wieder übernimmt.
Die beiden auf einer CD von BGO wieder veröffentlichten, digital remasterten Alben sind leichte Muse, ohne Kitsch zu sein, passen perfekt in die heutige Zeit der leisen, sanften Klänge, werden den von Allerweltspop gelangweilten und von Neugierde getriebenen Musiksüchtigen wie der "normalen" Allgemeinheit unterhaltsames Licht ins triste Dasein bringen.
Fetzt!

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bgo-records.com
VM





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