John Paul Jones "The Thunderthief" (Discipline Global Mobile 2002)

"The Thunderthief" ist in all seiner Vielfältigkeit vor allem eins: urbritisch. Kein anderes Land auf diesem Planeten entwickelt Musik, die mit diesem Temperament, dieser Klangfarbe und dieser fast schon snobistischen Lässigkeit ausgestattet ist. John Paul Jones, das beweist "The Thunderthief" zum anderen, hat Led Zeppelin mehr geprägt, als Plant und Page zugeben werden. Hört Euch nach "The Thunderthief" nur das Led Zep Album "Houses Of The Holy" an, der Klang ist vom selben Kopf geprägt. Das Album trieft vor kraftvoller Bass-Arbeit, schwerer und feiner Virtuosität. Doch längst nicht nur der Bass beeindruckt, Gitarre, Mandoline, Piano, Orgel, Syntheziser, Koto und Ukulele - John Paul Jones ist ein Alleskönner, der den Instrumenten die Töne wohl zu entlocken weiß. Gleich im Eröffnungsstück "Leafy Meadows" abstrahiert Robert Fripp im Solo grandios. Terl Bryant sitzt am Schlagwerk, Nick Beggs spielt in Shibuya Bop und Leafy Meadows den Chapman Stick und Adam Bomb gibt das brachiale und saugeile (pardon!) Gitarrensolo im Punkrock-Kracher Angry Angry. Zwei Jahre nach seinem ersten Solowerk "Zooma" holt John Paul Jones, der am 3. Januar 2002 satte 56 Jahre alt wurde, nun mit "The Thunderthief" zum Rundumschlag aus. Ob es nun schwer harte Rocker sind (Leafy Meadows, Angry Angry, Shibuya Bop), folkloristische Balladen (Hoediddle, Down to the River to Pray, Freedom Song), sanftes Liedgut (Ice Fishing At Night) oder facettenreiche, ausgeklügelte Stücke (The Thunderthief, Daphne, Shibuya Bop) - alle Songs überzeugen mit Verve. Erstaunlich, dass JPJ so lange keine Musik veröffentlichte (Led Zep bis Zooma = 20 Jahre!) und nun so zu überzeugen weiß. Ist über die Jahre viel verloren gegangen? "The Thunderthief" ist deutlich überzeugender als die Spätwerke von Robert Plant und Jimmy Page. Hoffentlich werden sich auch John Paul Jones CDs entsprechend verkaufen. Verdient hat er es auf alle Fälle.

www.johnpauljones.com
VM



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