Steffen Basho-Junghans "Song Of The Earth" (2000) "INSIDE" (2001) "Landscapes In Exiles" (2001), "Waters In Azure" (2002) (Blue Moon Arts)



Steffen Basho Junghans, einst in der vergangenen DDR Mitbegründer der Folkgruppe Wacholder (1978) und seit langem aktiver und grenzüberschreitender Gitarrist in Sachen akustische Saiten - der gerade auf der bei Cuneiform erschienenen CD 156 Strings mit einem sehr interessanten Stück vertreten ist, sieht bereits auf eine Diskographie von 6 CDs und weiteren Veröffentlichungen zurück. Die vier mir vorliegenden und ziemlich verschiedenen Alben sind improvisative Solo-Performances, die gewollt mit "Fehlern" und "falschen Spieltechniken" aufwarten, um potentielle Hörer in höhere Vorstellungswelten zu katapultieren. Alle Alben/Songs gehen ungewohnte Wege, das Spiel der Gitarre mutet teils wie ein Trip, ein Rauschzustand an; die Musik erzeugt einen Sog, der in den Bann zieht. Dabei sind einige Stücke keineswegs angenehm zu hören. Da fiepen Töne; die Finger reißen über die Saiten, dass die Ohren schmerzhaft ihren Sinn fühlen; amelodische, schier auf der Stelle stehende Akkorde brechen wie eine Armee über die empfindlich sich zeigenden Nerven; die Unendlichkeit mancher Stücke (die bis über 20 Minuten gehen können) läßt das Hirn erweichen - und doch, immer wieder ebnen sich diese wagemutigen Stücke, von Steffen Basho Junghans´ Händen gezeichnet, einen Weg über diese sperrigen Hürden hinweg, offenbart sich in einem ausdauernden Stück eine liedhafte Melodie, lindert ein melancholisches Motiv den sich tief in die Nervenbahnen fressenden Lärmkrater sanft ab. "Song Of The Earth" noch hat die aufmerksamsten Melodien, das melancholischste Flair, die beeindruckendste Stille. In repetitiven Motiven flicken sich Melodiefetzen zu ambienten Strukturen zusammen, die wie Hypnose wirken. Die Songs sind nachvollziehbar, harmonisch, aufgeräumt und von lichter Poesie. "INSIDE" ist fragmentarischer, technischer. Das lyrische Moment versteckt sich hinter verzerrt weinenden Gitarrensaiten, die wie ein Messer in die Hörnerven schneiden, das abschließende 3rd Movement entschädigt mit seiner Kumpelhaftigkeit. "Landscape In Exiles" erscheint erst sehr viel ruhiger, bis es sich als das schwerste und lauteste der Alben zeigt. Die 8 Songs steigern sich explosionsartig, wobei die Saiten teils geschlagen werden, was eine sehr amelodische Härte und schier erschreckende Lautstärke mit sich bringt. Trotzdem sind immer noch Melodien auszumachen, die mit kratzenden, jaulenden, jubilierenden Tönen zu Gehör gebracht werden. Die ungewöhnliche Technik, mit der Steffen Basho seine Gitarren bedient, klingt für das Künstler - Instrument - Verhältnis sehr intim und vertraut. Eine sehr enge Beziehung, die nicht verhindert, dass sich beide bis zum Schmerz wehtun können. Steffen Basho seine Gitarre mit seinem harten, vergewaltigenden Spiel - die Gitarre den Spieler mit klageerfüllten und aggressiven Klängen, die gewiss auch seine Ohren erstaunen. Die Krönung des Spiels und am weitesten gehende "Zumutung" für Ohren und musikalischen Hörsinn findet in "Waters In Azure" statt. Die Saiten, als seien sie ungespannt, schneiden in die Ohren mit gar jammerhaftem, klagendem Laut. Die Vorstellung sagt: noch ein Stück und das Instrument zerbricht. Diese laienhafte Feststellung wird wohl nicht der Wirklichkeit entsprechen - die Härte des Spiels aber ist auf diesem Album am dringendsten. Was Steffen Basho-Junghans mit diesen vier Alben eingespielt hat, ist von ausserordentlicher Qualität und beeindruckender Musikalität. Ein ungewöhnlicher Parfoceritt, eine wahrhaft avantgardistische und meisterhafte Arbeit, ein Durchbrechen der Hörgewohnheiten. Die CDs sind in Deutschland nur über No Mans Land Records erhältlich oder direkt von Blue Moment Arts zu beziehen.

VM
bluemomentarts.de


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