Graeme Koehne "Inflight Entertainment" (2001) Label: Naxos

Mit Graeme Koehne präsentiert sich uns ein Komponist progressivster Art. Der 1956 geborene Australier beabsichtigt mit seiner Musik eine Verschmelzung von klassischer, ernsthafter Musik und Unterhaltungsmusik. Wie schwierig dies ist wissen wir! Der Drang nach diesem Wunsch entstand ganz einfach durch seine verschiedenen musikalischen Einflüsse von Jugend her. Zum einen waren es Komponisten der klassischen, romantischen Tradition, zum anderen jedoch Popsongs der 50er Jahre, sowie Comics,- Fernsehen-, Lounge- , Hintergrund- und Filmmusiken. Diese Einflüsse vermengen sich in Koehnes Musik zu gleichen Teilen mit Techniken der klassischen Tradition, so dass beide Seiten sich gegenseitig ergänzen und beleben.
Mit "Inflight Entertainment" erhalten wir einen Querschnitt über seine bisherigen instrumentalen Kompositionen. Drei der vier hier vorhandenen Kompositionen wurden zu einer Trilogie zusammengefasst. All diese Stücke reflektieren Koehnes Meinung, der zeitgenössischen Musik mangele es an jenen anregenden, vergnüglichen Qualitäten, die der Popmusik zueigen sind. Daher suchte er einen Weg, die Ausgelassenheit dieser Musik auf ein Symphonieorchester zu übertragen. Dies ist ihm in vollem Umfange gelungen! Die jeweiligen Kompositionen zeigen zum einen Unterhaltung durch eingängige Rhythmen und Melodien und zum anderen dennoch eine tiefe Verbeugung vor der klassischen Tradition.
Die vierte Komposition (das Titelstück) ist ein Konzert für Solo-Oboe und Orchester. Auch hier verfährt er nach den bisher beschriebenen Besonderheiten. Durch die gelegentlichen solistischen Einlagen der Oboe ist dieses dreiteilige Konzert näher der klassischen Tradition zuzuordnen. Die Oboe, so wie sie hier auf brillante Weise von Diana Doherty gespielt wird, entspricht nicht den üblichen Hörgewohnheiten, welche wir von diesem Instrument kennen, die sonst eher der zarten, romantischen Seite des klassischen Orchesters gehören. Durch ihre leidenschaftliche, prägnante und z.T. auch leicht jazzige Spielart bettet sie sich fabelhaft in die fantastischen Unisono-Passagen ein. Einfach klasse!

Für Freunde progressiver (Rock)Musik, die immer auf der Suche nach Neuem sind oder die bereits einen leichten Hang zur klassischen Musik haben, denen aber die sogenannte "Tchibo-Klassik" (Klassik zum Kuscheln, Kaffee, Kuchen oder ähnlichem Unsinn) zuwider ist, die sollten sich diese CD unbedingt zulegen. Man kann diese Scheibe für 5 oder 6 überall erhalten. Also traut euch. Es lohnt sich!

(Neue "Streiche" von Graeme Koehne sind geplant und sollen bald veröffentlicht werden!
Ich freue mich jetzt schon riesig darauf, nachdem diese CD mir mehr oder weniger zufällig in die Hände gefallen ist.)

Markus Klein



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