15. & 16.03.2008 LANEY FUSION GUITAR CHALLENGE
KULTURHAUS CAIRO, burkarderstr.44, Würzburg

seiner zielsetzung, nämlich dem freundschaftlichen vergleich deutscher mit in der szene recht namhaften europäischen, im fusion -jazz-rock-metal tätigen combos ist das festival mehr als gerecht geworden, auch wenn wir für ART METAL gitarrist MATTIAS IA EKLUNDH leider keine adäquaten Mitstreiter mehr aufgetrieben werden konnten (ein wochenende vorher hat er zwar mit MESHUGGAs FREDRIK THORDENDAHL, SAMMLA MAMMAS MANNA'S LASSE HOLLMER und der MATS & MORGAN BAND auf dem MELLOBOAT FÄHREN FESTIVAL 3,5 stunden lang die ostsee gerockt, aber die jungs hatten für dieses wochenende keine zeit, und JONAS HELLBORG war in den USA).

nachdem sich ja alle 4 deutschen teilnehmer in den letzten jahren durch eine teilnahme am FREAKSHOW ARTROCK FESTIVAL quasi qualifiziert hatten, war klar, daß es für sie ein heimspiel war:

samstag:

COUNTER-WORLD EXPERIENCE stiegen als erste am samstag mit der vollen metal-breitseite in den ring, sprich die kleine, intime und wunderbare bühne des CAFE CAIRO.
da erst um 20:00 begonnen wurde, aber um 0:00 uhr eigentlich ende sein sollte, blieb aufgrund der eingeplanten, gott-sei-dank recht kurzen umbaupausen für den schlaggewaltigen opener nur eine knappe stunde, ihre heftig bratzenden, stellenweise regelrecht hymnencharakter aufweisenden jazzrockinstrumentals an den mann zu bringen (waren allerdings tatsächlich auch frauen da;-)). was die berliner/hannoveraner formation aufgrund der etwas kargen dreierformation an klangfarben vermissen ließ, machte sie mit knallharter, bleiern-metallischer präzision und viel dampf wieder wett:
FAZIT: ein gelungener einstieg, der den ersten zuschauern schon nackenprobleme wegen headbangens bereitete...

7FOR4: mit den mannen um ex-SIEGES-EVEN-gitarrist wolfgang zenk schickte nun der heimische trainer seinen ersten großen trumpf ins rennen, hatten sie doch soeben ihre neue scheibe (übrigens bereits die dritte) veröffentlicht und waren daher aufgrund vieler rehearsal-aktivitäten bestens auf dieses treffen vorbereitet.
und sie ließen nicht lange auf sich warten: highspeed-country, auf den die DIXIE DREGS stolz wären, verschmilzt mit zigeunermetal, grandiose, unpeinliche balladen schwellen zu hymnischen Epen an. wunderbar arrangierte instrumentals mit hohem wiedererkennungswert sind das markenzeichen der 4 münchner, die sich unter den johlenden anfeuerungsrufen der besucher schier in einen rausch hineinspielen:
fantastisch, was die jungs hier abgeliefert haben, absolute weltklasse wird den kompositionen sowie den akteuren aus berufenem munde zugesprochen.....ob die großen unbekannten, die mit ihrer neuen scheibe zwar in der fusionabteilung des in der szene renommierten us-labels LASER'S EDGE gelandet und daraufhin auch gleich zum ebenso renommierten NEARFEST eingeladen wurden, das noch toppen können???
selbst der autor dieser zeilen war sich nicht sicher, obwohl er die formation mit dem grotesken namen MÖRGLBL im august letzten jahres am wunderbaren ZAPPANALE FESTIVAL in BAD DOBERAN nahe ROSTOCK bereits live erlebt hatte.

MÖRGLBL, das trio infernal mit den lustigen glatzköpfen, das mit gitarrist CHRISTOPHE GODIN einen geborenen entertainer als chef hat, fackelte auch gar nicht lange rum, sondern zeigte mit viel humor und herrlichem tightem spiel, wo der hammer hängt. leider längst nicht so verspielte und ausgeklügelte arrangements wie beim vorgänger, aber einfallsreiche unisonospielereien, artistische soli und mitreißende riffs in relativ straightem instrumentalrock hätten den jungs auch bei jedem "normalen" rockfestival standing ovations beschert. das artistisch verwöhnte FREAKSHOW-publikum ließ sich durch die etwas geradlinigeren songstrukturen aber nicht vergraulen und erhielt eine mit vielen artistischen sperenzchen gespickte eineinhalbstündige vorstellung, die eigentlich keine wünsche offen ließ.....
FAZIT: technisch äußerst versierte musiker, die mit arrangementtechnisch relativ einfachen songs für viel begeisterung gesorgt haben, aber auf scheibe dann doch etwas hausbacken daherkommen....

sonntag:

OCTAFISH, die reutlinger formation, die sich am längsten von allen deutschen vertretern im fusionrock-genre bewegt, nämlich seit anfang der 90er, hatte leider ihre neueste (dritte!!!) scheibe noch nicht am start, bewies aber erneut, daß sie mit ihrem "industrial fake jazz" immer eine bank im livegeschäft sind. hattte ihr gig beim FREAKSHOW FESTIVAL 2006 aufgrund der kurzfristigen aufnahme eines neuen saxophonisten noch etwas steril und unsicher gewirkt, bewiesen sie diesmal mit lässiger souveränität an allen instrumenten, daß ihre songs, vor allem die neuen, an härte und dynamik nichts zu wünschen übrig lassen. ein tightes, relaxtes jazzrockensemble blies am sonntag um 14:00 zum jazzfrühschoppen ordentlich die ohren durch, KING KONG und BOLERO aus ihrem ZAPPA-medley verleitetete zum mitsingen, und die turboversion von BARBIE GIRL als zugabe brachte die leider deutlich geschrumpfte menge zum mithüpfen....
FAZIT: immer wieder schön, wa die jungs fabrizieren, und wir dürfen gespannt auf ihre neue scheibe sein...

und dann kamen die neuen lieblinge des kulturfeuilletons: PANZERBALLETT und vor allem das publikum mußten aufgrund des wegen des rückflugs von MATTIAS IA EKLUNDH durcheinandergeratenen zeitplans auf die wunderbaren ansagen von oberguru ZEHRFELD verzichten, der es sich aber nicht nehmen ließ, demonstrativ zwischen den songs gehetzt auf die armbanduhr zu schauen;-))
gewohnt souverän und mit gastgrowler ANDI LIND bei 2 songs knüppelten sie sich in altbewährter manier durch die coverversionen ihres neuen albums und ließen dabei kein auge trocken.
geniale, ultrakomplexe metrik, stakkato-unisonoläufe und ein blendend aufgelegter GREGOR BÜRGER am saxophon ließen das publikum nicht mehr aus dem headbangen rauskommen, selbst MATTIAS EKLUNDH, der ja mit den jungs von ZEHRFELDs helden MESHUGGA gut befreundet ist, zollte den balletteuren vor allem für ihren titel MESCHUGGE begeisterten beifall....
FAZIT: "krass" wie immer, geniale instrumentalisten, der neue bassist hat die meisten songs jetzt ohne notierung drauf, und drummer SEBASTIAN LANSER (laut ZEHRFELDs aussage müsste seine band eigentlich mittlerweile LANSERBALLETT heißen) ist nicht von dieser welt!!!!

zum abschluß rückten alle anwesenden gitarristen ganz weit vor an die bühne, um MATTIAS IA EKLUNDH, dem hexer aus schweden ein bißchen bei seinen vorführungen zum playback auf die finger zu sehen. "eigentlich nix für nicht-musiker" werden einige jetzt denken, aber EKLUNDH ist ein äußerst sympathischer, wort- und witzgewaltiger entertainer, der selbst in einem laien wie mir interesse an den sechs saiten weckt. ob im endeffekt seine ultraflinken, äußerst merkwürdige töne erzeugenden gitarrenkünste, sein gefühl für vertrackte rhythmik (mal eben was in 23/16 durchgespielt...) oder doch seine humoristischen improvisationskünste den ausschlag für den schlußapplaus gegeben haben, weiß keiner so genau, nicht mal die, die da waren...
FAZIT: war zwar laut plakat ein LANEY festival, die snobistischen engländer haben sich aber vornehm beim sponsoring zurückgehalten, weshalb ein teil der für die FREAKPARADE im november vorgesehene kohle aus der lebensversicherung jetzt schon weg ist.

Text: CH
Fotos: Monika, artrockpics.com



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