Sehr geisterhaft beginnt "Al Filo". Ledesma, Multiinstrumentalist und Komponist, hat sich für dieses düstere Ambient-Album 3 Gäste eingeladen, um mit ihnen eine Art feenhafte, laszive, dabei jedoch auch schwer horrormäßige, weit epische Folklore einzuspielen. Die gelösten, ausschweifenden Melodien, die wie im 25minütigen "Las cuatro imágenes" lange brauchen, sich aufzubauen und ebensolange abschwellen, nach dem in einigen wenigen Minuten ein kraftvolles Moment forsch sich entwickelte, sind sparsam gesetzt. Und doch erobern sie die gläsern hauchenden Songs. José Luis Fernández Ledesma läßt sich Zeit. Er arbeitet mit fließenden Tönen und nicht mit knapp und klar formulierten Melodiemustern. Breite Lyrik, wenig bis keine Percussion, stille Soundnotizen in lang haltenden Stimmungen herrschen vor, gewürzt von dissonanten Momenten, die spannungsladend wirken. Die weiblichen Stimmen, verhallt und aus dem Off, von Margarita Botello Flores eingesungen und in mehreren Spuren übereinandergelegt, verstärken das epische, düstere Bild. Die Grundstruktur allerdings, obschon ambient interpretiert, ist Folklore. Eine stille, beeindruckende Reise in die mexikanische Heimat Ledesmas, der sich einmal mehr als Avantgardist beweist und seine Stücke mutig abseits kurzlebiger Popmusik interpretiert.
VM
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