Leprous "Tall Poppy Syndrome" (Sensory Records, VÖ: 19.06.2009)

Da kocht das Blut der Jugend! Nervöse Aggressivität, kompromisslose Rasanz, radikale Härte - gepaart mit kunstvoller Komplexität. Leprous kommen gut!
Sensory meinen, "Tall Poppy Syndrome" sei essentiell für Fans von Ihsahn und Emperor, was gewiss nicht falsch ist. Hier treffen zeppelinsche Dramatik auf Death Metal und melodischen Progmetal, symphonisch klassische Prog-Elemente auf Dark Prog im Stile Anekdotens (nicht ganz so hart wie zu deren Beginn).
Einar Solberg (lead voc, key), Tor Oddmund Suhrke (g, voc), Øystein Skonseng Landsverk (g, voc), Tobias Ørnes Andersen (dr) und Halvor Strand (b), Norweger, Skandinavier, was sonst, verbinden jugendliche Aggressivität mit wilder Spieldynamik, können konzentrierte Komplexaktion und kunstvolle Ausarbeitung der instrumental ausschweifenden Parts, was besonders im Soundgewitter der schneidend scharfen Gitarrenmahlwerke beeindruckt.
Gesangstechnisch gibt es eine ganze Palette diverser Stilmittel: hohen Kehlgesang, Death-Metal-Grunts, kratziges Metalgebrüll, lautes Progmetal-Schreien, "normalen" melodischen Gesang, klassisch geschulten Chorgesang in vielfältiger Harmonie - die im Booklet abgedruckten Metal-Lyrics sind abstrakt, aggressiv, handeln von Traum und Tod, Liebe und Einsamkeit, davon, den Platz im Leben zu finden, keine Kompromisse einzugehen, von Lüge und Wahrheit, Feind- und Freundschaft in nicht platten, aber gesangstechnisch eingekürzten Texten.
Keyboards sind für die Wandfarbe zuständig, den harmonischen Ton im Off, haben aber auch strukturelle Aufgaben und bringen solistische Partien ein. Die beiden Gitarristen geben jedoch nicht viel Raum ab, bestimmen laut und leise, Harmonie und Geschredder der Situation. Die Rhythmusfraktion bekommt einen Orden für exzellentes, kraftvolles, komplexes Powerdröhnen.
"Tall Poppy Syndrome" ist sehr ansprechend, zeigt viel äußerst gut gelungene Feinarbeit, ist aber kein Überflieger, wenn die einzelnen Songs auch immer wieder verblüffend gelungene und mitreißend erregende Partien auffahren. Fad oder belanglos wird es nie. Einige Partien sind etwas bemüht, die Band scheint in den progressiven Parts besonders originell sein zu wollen, wobei sie schon mal etwas künstlich klingt. Die Metalparts hingegen sind hart und eingängig, das geht ihnen flott und sauber von der Hand, ohne Rückstände und Schnörkelbrocken jagen die Passagen perfekt dahin. Der Wechsel aus progressiven Komplexen und metallischer Härte wird nicht immer betrieben, zumeist durchwirkt sich die stilistische Gemengelage, was ein äußerst klangvolles Resultat bietet, dem man sich mit neugieriger Freude gern hingeben kann.
Magisch!

myspace.com/leprousband
thelasersedgegroup.com

VM




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