Long Distance Calling "Long Distance Calling" (Superball Music, VÖ: 18.02.2011)

Jede Zeit hat ihre Bands. Ihre Musikstile. Ihre stilistische Breite, Vielfalt und auf Vorheriges aufbauende Erfahrungen. Long Distance Calling nennen etwa Pink Floyd und Led Zeppelin als historische Vorbilder, Tool und A Perfect Circle sind aktuelle, und Alice in Chains liegen irgendwo dazwischen. Die fünfköpfige Combo spielt instrumentalen fetten Rock, der unter alte Banner wie Hardrock nicht passt und aktuelle wie Prog oder Postrock nicht will. Ihre Songs sind zwischen knapp 6 und 11 Minuten lang, haben viel Zeit, ihre Ideen zu entfalten. Gitarren stehen im Vordergrund, Electronics flittern im Off herum, Bass und Schlagzeug basteln den federleichten, mordsfetten und komplexseligen Groove-Rhythmus, der keine Breakgewitter abfährt, aber ordentlich abwechslungsreiche Haken schlägt und beschwingt zirkelt, dabei partiell dezent auf Swing baut und also nicht schlecht sondern beeindruckend gut die Zeiteinteilung vorgibt.
Die Kompositionen sind ausgefeilt und ansprechend, ohne wie verrückt ins Ohr zu drängen, es braucht einige Durchläufe, die vitalen, epischen Motive hartnäckig im Ohr zu haben wie Asbestpartikel in der Lunge. Hingegen machen sie mehr Laune und erfreuen Geist und Seele, statt zu martern. Alles bleibt stets friedlich und harmonisch, manche eher poppige Idee, etwa "Invisible Giants", funktioniert trotz Lieblichkeit und strapazierter Eingängigkeit. Die Band weiß ihre handwerklichen Finessen wohl einzusetzen und den alternativen Indie-Krach auf ebenso farbenfrohe Weise dröhnen zu lassen, wie die lasziveren, dramatischen Pfade durch die besseren Tracks oder die sphärische Idylle balladesker Mimosenmelancholie.
Da Nichts besonders sperrig ist und die langen Minuten kurzweilige Wirkung erzielen, kann die Band mit ihrer dritten Platte als ansprechend und unterhaltsam gelten, was die Kapelle erbosen wird: soviel Energie, Arbeit und Überlegung in die Songs gesteckt - und jetzt soll das NUR ansprechend und unterhaltsam sein? Killt den Wikxser!

LINE-UP:
David Jordan - guitars
Florian Füntmann - guitars
Jan Hoffmann - bass
Janosch Rathmer - drums
Reimut van Bonn - electronics and sounds

DISCOGRAPHY:
Satellite Bay - 2007
090208 (Split-EP w/ Leech) - 2008
Avoid The Light - 2009
Long Distance Calling - 2011

LONG DISTANCE CALLING (56:05):
1. Into The Black Wide Open (8:32)
2. The Figrin D'an Boogie (6:08)
3. Invisible Giants (7:25)
4. Timebends (7:57)
5. Arecibo (Long Distance Calling) (5:53)
6. Middleville (8:30)
7. Beyond The Void (11:40)

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