metal jam - the prayer

Die Brasilianer Metal Jam präsentieren mit 'The Prayer' ihr Konzeptalbum um eine Geschwisterliebe - ein recht heikles, aber auch interessantes Thema also, das die Band auch mit äußerster musikalischer Vielfalt vertont und gestaltet. Auch wenn der Bandname vielleicht zunächst etwas irritiert, Metal Jam spielen Progressive Metal, mal mehr und mal weniger von Dream Theater und Konsorten inspiriert. Ihr Sound ist allerdings etwas 'dreckiger' und röhrender als der der Amerikaner, was nicht zuletzt an den Gitarren liegt, die einen sehr erdigen und rohen Klang haben. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht störend. Nach dem kurzen Intro geht es mit 'Dark Omen' direkt in die Vollen, der Song schwankt zwischen aggressiveren und zurückgelehnteren Phasen, dazu die flexible Stimme von Sänger Fabio Almeida, seine Stimme klingt in den sanfteren Passagen manchmal verdächtig nach LaBrie. Absicht? Wer weiß, in jedem Fall nichts für all die, die LaBrie's Stimme sowieso nicht leiden können. Natürlich darf auch das ein oder andere Keyboardsolo nicht fehlen, meist schärfere Synthesizerklänge; virtuos ohne Frage, aber klanglich oft hart an der Schmerzgrenze.
Zwischen den Hauptsongs mit den aufgefächteren Strukturen tauchen ein paar Mal kleinere, melancholische Zwischenstücke wie 'Loneliness' auf, mit Klavier und Frauenstimme. Gerade richtig dosiert, um das Album ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, doch ohne durch übermäßigen Einsatz wieder zu langweilen. 'Regrets and Insanity' ist dann der (obligatorische?) 10-minütige Longtrack, düster-verrückt beginnend und dem "Insanity" alle Ehre machend. Piano, Orgeln und Chöre füllen das dramatische Finale in den ersten Minuten aus. Dann immer wieder Wechsel zwischen resignierend-ruhigen Keyboardparts und vertrackten, harten Gitarrenläufen. In Minute 8 der endgültige Zusammensturz; zurück in den Trümmern bleibt eine sich langsam aufbauende Reprise des Hauptthemas, die schlußendlich mit stampfenden Gitarren zum Halten kommt. Meiner Meinung nach ein etwas überstürztes Ende, aber nichtsdestotrotz ein mitreißender Song - genau wie der Rest des Albums. Nichts wirklich neues ist 'The Prayer' also, aber leidenschaftlich und mit viel Gefühl gemacht. Einiges ist noch ausbaufähig an der Band, wie etwa die Stimme Almeidas, der einige Male etwas daneben trifft, und die manchmal zu aufdringlichen Synths, aber definitiv schon jetzt eine Empfehlung wert.

metaljam.net

Timo




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