Michael Eaton "Individuation" (Destiny Records, 14.10.2014)


Auf "Individuation" verfolgt Michael Eaton mit seinem Ensemble einen herrlich 'altmodischen' Modern Jazz. Neben Eaton (ts, ss) sind Jon Crowley (tr), David Liebman (ts, ss), Brad Whitley (p), Daniel Ori (b), Scott Colberg (b) und Shareef Taher (dr) beteiligt, wobei einige Mitarbeiter nur partiell auftreten und nicht alle Positionen in jedem Song belegt sind. Alle Kompositionen stammen aus der Feder Eatons, der gemütlich entspannt zu Werke geht, ohne auf Eingängigkeit oder Hörfreundlichkeit zu achten. Ganz im Gegenteil können aus sanften, melancholischen Strukturen recht forsche bis krass freie Motive brechen, in denen vitales Bandinterplay rasante Fahrten aufnimmt, kraftvolle Soli oder gemeinsam ausdrucksstarke Bläserarbeit geleistet wird. Die rhythmische Arbeit ist allerfeinstens, stets sehr locker und verspielt, dabei kraftvoll und äußerst komplex, modern und klassisch, hier mit Swingbezug, dort rockgeschult. Das Piano wandert zwischen den Polen, ist hier im Rhythmus tätig, arbeitet dort an der melodischen/improvisativen Struktur mit. Stets sind die Arrangements trotz ausgefallener und abstrakter Arbeit straff und forsch angelegt, da sind keine Hänger oder Einbrüche zu hören. Die gesamte Arbeit ist intensiv durchdacht und perfekt produziert. An den Reglern saß der altgediente Jacob Bergson und der weiß die Töne einzufangen und nebenbei die Band kommunikativ zu begleiten.
Neben 8 zwischen dreieinhalb und 10 Minuten ausgebauten Tracks ist das fünfteilige "Individuation" der Höhepunkt des Albums. Durch alle Parts zieht sich das Hauptthema, das besonders experimentell angelegt ist und zu avantgardistischen Höhenflügen findet, die wie ein Rausch entzücken. Besonders der dritte Part ist extrem 'verrückt' und experimentell ausgefallen (mehr davon!) und beißt sich durch hochkomplex 'progressives' Musikgut, das an besonders ausgefallener Musik Interessierte aus Jazz wie ebenso (Avant) Rock aufhorchen lässt. Im fünften Part allerdings wird das tragende Thema derart oft wiederholt und nur minimal variiert, das diese Passage durchstanden sein will und wenig lösungsorientiert wirkt.
Im abschließenden "Lifecycle" zeigt das Ensemble sich wieder entspannt und lässig. Ohne Erschöpfung zu zeigen, bewegen die Musiker sich durch das nachdenklich komplexe Thema mit handwerklicher Finesse, jeder Menge Spielfreude und ausgeschlafenem Sinn für grandios kraftvolles Musizieren. Fabelhaft!
74:59 Minuten Musik, die jede Sekunde wert sind.

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VM




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