Mythologic "standing in stillness" (Progressive Music Management 2003)

Die Bands Andeavor und Leger de Main fließen hier zu Mythologic zusammen. Die beiden Brüder Chris (g, b) und Brett (dr) Rodler geben sich die Ehre mit Steve Matusik (g). Melissa Rodler, dritter Teil von Leger de Main, leiht dem Projekt ihre Stimme. "standing in stillness" ist tief in Progressive Metal verankert. Das erste Stück "Magic to Breathe" ist ein rein vokaler Song, in dem Melissa ihre klare Altstimme sehr gut vorstellt. "In Solitude" geht mit komplexem Thema, das sich an Dream Theater und ähnlichen Vorbildern orientiert, heftig zur Sache. Doch bevor die Band richtig ausbricht und in polyrhmythmischen Heavygewittern komplizierte Strukturen zieht, geht der Song ausgesprochen groovig und liedhaft vor. Dafür ist der folgende Titelsong sofort in ultrakomplexen Themen aktiv. Mythologic ist instrumental auf die Gitarren orientiert. Im Booklet steht, dass Steve Matusik den linken und Chris Rodler den rechten Kanal bespielt, so dass Stereo-Hörer nachvollziehen können, wer von beiden gerade soliert. "Standing In Stillness" ist auf Grund seiner komplexen Komposition ein sehr anspruchsvoller Song, der gerade im instrumentalen Bereich gut abgeht. Schlagzeuger Brett Rodler weiß kongenial abgefahrene, komplizierte Rhythmen und aufgeflippte Figuren zu geben. Das folgende "Battle Beliefs" ist wie "Flash Of Red" ein eher eingängigeres Lied. Das ist vielleicht etwas zu einfach gesagt, immerhin ist die Band dauerhaft komplex bis ultrakomplex unterwegs. Aber trotzdem sind die komponierten Strukturen schlichter, grooviger, geschliffener. Dazwischen liegt das lange "A Dim Too Dark". Hier sind wieder die heftigen und rasant wechselhaften und vitalen Komplex-Ideen vordergründig. Das abschließende "Truth Undiscovered" kann die aufgewühlte Stimmung nicht wirklich besänftigen, da es selbst noch viel zu aufgekratzt und hart ist. Mythologic haben das recht kurze Album konkret auf Prog Metal eingestimmt. Eine endlose Anzahl melodischer Ideen, abgedrehter rhythmischer Facetten und intensiver, präzise herausgearbeiteter Instrumentalmonster arbeitet sich durch das grandiose Werk. Und doch ist längst nicht alles perfekt gelungen. Zum einen sind die Gesangslinien, die Melissa sehr gut zu singen weiß, etwas alltäglich. Da sind die komplizierten Figuren nicht angewendet worden. Und da Melissa sehr viel singt, plättet das Arrangement die Struktur aller Songs. Zum anderen ist Prog Metal in den letzten Jahren zu vielen Ehren gekommen, haben sich unzählige Musiker um Ehre auf diesem Feld bemüht. Mythologic sind zwar technisch eine aus der großen Masse weit herausragende Band, aber es bleibt typischer Prog Metal, der auf den Erfolgen der jüngsten Welle fußt. Das Konzept könnte eine Spur schrägen Jazz gebrauchen, abstrakten Ausdruck. So klingt trotz aller Härte nicht ein Stück Lust an Zerstörung mit, sondern nur brave Intonation, trotz aller ultrakomplizierten und wahrhaft gut gemachten Musik. Ein beeindruckendes Werk, aber kein absoluter Höhepunkt.

VM

pmm-music.net



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