Nucleus "Live in Bremen" (Cuneiform Records 2003)

Die Radio Bremen - Serie wird mit Nucleus fortgesetzt. Tolle Sache für alle drei Involvierten: Radio Bremen, Cuneiform Records und den Hörer. Nucleus waren Jazzrock-Pioniere, die bereits vor "Bitches Brew" (Miles Davis´ Meilenstein), so Ian Carr, Trompeter und Kopf des Unternehmens, in diesen Gefilden wilderten. Die Songs dieses Doppelpacks wurden am 25. Mai 1971 im Gondel Filmkunsttheater in Bremen aufgezeichnet, ein weiteres Stück, in Wiesbaden im selben Jahr aufgenommen, vervollständigt das 12-Song-Set. Die Band hatte zu dem Zeitpunkt bereits drei interessante Alben veröffentlicht (Elastic Rock, We´ll Talk About It Later, Solar Plexus) und einige Besetzungswechsel hinter (und etliche noch vor) sich. Auf CD1 gibt es gerade 5 Stücke, deren eigentliche Themen nur als Typen genutzt werden, die das professionelle Bandgefüge zu epischen Improvisationen nutzt. Solistisch markieren Trompeter Ian Carr und Gitarrist Ray Russell die Songs. Doch besonders eindrücklich wird das Geschehen durch die ausdauernde Arbeit des kompletten Sextetts Ian Carr, Karl Jenkins, Brian Smith, Ray Russel, Roy Babbington und John Marshall. Die Dynamik des Progressive Jazz Rock der frühen Siebziger Jahre erfährt hier eine wundervolle Note. Kein Ton ist nebensächlich, kein Instrument unbedeutend. Der Bass fährt signifikante Melodielinien, während die Bläser rhythmische Eckpunkte setzen und das Schlagzeug kontrapunktisch und jazzbetont gespielt wird. CD2 mit 7 Stücken ist insgesamt beeindruckender. Die Band hat sich warm gespielt; direkter, intensiver klingt die vitale und begeisternde Dynamik. Als wäre die komplette Truppe in Trance, spielte die Musik sich selbst in einem unendlichen Rausch. Da brechen Öffnungen zum Free Jazz, zum Blues und Hardrock auf, ganz, wie es sich in den Improvisationen ergibt. Allein das Saxophonsolo in "Oasis" oder die dynamische Gruppenimprovisation in "Snakehips´ Dream" sind überwältigend. Nucleus sind die Band der Canterbury-Szene, die sich am weitesten in Richtung Jazz vorgewagt hat. Wer diese illustren Töne genießen möchte, muss Sinn dafür mitbringen. Diese Klangästhetik ist in den folgenden Jahren leider immer seltener geworden und schließlich völlig verendet. Danke für dieses grandiose Dokument!

cuneiformrecords.com
VM



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