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Michael Nyman "Man And Boy: Dada" (MN Records 2005)
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"Man And Boy: Dada" ist eine Oper in zwei Akten, die Michael Nyman komponiert hat. Die Idee dazu hatte Michael Hastings, der das Libretto geschrieben hat (und bereits einige Drehbücher schrieb, die als erfolgreiche Kinofilme liefen; "Man And Boy: Dada" ist sein erstes Libretto). Die Geschichte handelt von Kurt Schwitters, dem deutschen Dadaisten, der das Chaos (nicht nur) als künstlerische Herausforderung liebte und in den 1920ern das Heft "Merz" veröffentlichte (der japanische Avantgarde Laptop Musiker Merzbow hat sich seinen Namen von Kurt Schwitters inspirieren lassen) und schließlich vor den Nazis nach Norwegen fliehen musste, nach England ging, dort als verdächtigter Nazi über ein Jahr im Gefängnis saß und schließlich weitere Jahre in Großbritannien lebte.
Im Libretto, das eine imaginäre Episode aus Schwitters Leben nach der Haft in England zeichnet, trifft Kurt Schwitters auf einen Jungen, der Bustickets und Fußballkarten, die Zigarettenschachteln beiliegen, sammelt. Die beiden freunden sich an, Schwitters lernt die Mutter des Jungen kennen, die alle Deutschen hasst, seitdem ihr Mann, ein Nachtwächter, in den Trümmern Londons nach einem Luftangriff der Deutschen vermisst wird und wahrscheinlich getötet wurde. In der handlungsreichen Story gerät Schwitters an das BBC, das ein "Interview" mit Schwitters abwürgt, kommt mit dem Jungen herum, mit dem er dessen Busticketsammlung vervollständigen will und der Mutter näher, die ihren inneren Auseinandersetzungen aber nicht widerstehen kann und sich letztlich Schwitters, der ihr durchaus sympathisch ist und dessen Situation und Denken sie versteht und nachvollzieht, nicht öffnen kann.
Hastings und Nyman waren als Kinder auch Sammler solcher Art Karten, und konnten die vor dem geschichtlichen Hintergrund wichtige und aus britischer Sicht versöhnende Handlung gut entwickeln.
Meines Erachtens ist die Geschichte der Handlung der transportierenden Musik inhaltlich um einiges voraus. Die Musik, dramatisch komponiert und gespielt, vermag es nicht, die Handlung zu füllen und den Hörer dauerhaft zu fesseln. Zwar sind verschiedene musikalische Themen durchaus attraktiv und hinreißend, aber über die Zeit von 110 Minuten nicht stark und lebendig genug, ein komplexes Eigenleben zu entwickeln. Zu dünn ist der melodische Teppich, zu eindimensional und "minimal" die Komposition, wenn einige Arrangements durchaus auch interessant sind, so durch die Verbindung des Klanges diverser Instrumente: Streicher mit Vibraphon zum Beispiel. Melodielinien, Pattern werden übereinandergelegt und variieren im Muster, ohne wirkliche Entwicklung. Das letzte Stück hat ein starkes rhythmisches Motiv, auf dem melodisch einiges Interessante passiert, gerade die Gesangslinien finden hier, zu spät, zu mehr Ausdruck und Raum.
Daran krankt auch die Geschichte, die auf den insgesamt variationsarmen Gesangslinien transportiert wird. Nyman als Minimal Music Autor findet nicht zu breiter Klangsprache. Das interpretierende Ensemble scheint wie gefesselt und die Gesangsleistung, so gut sie getan ist (warum nur hat das Kind Michael diese "belegte" Stimme?) ermüdet.
Die in Englisch gesungene Story vermittelt sich zudem nur, wenn man stets das Booklet der CD vor Augen hat, was die Konzentration auf die etwas eindimensionale Musik mildert und mit einiger Aufmerksamkeit der interessanten Geschichte etwas mehr Möglichkeit gibt, nachvollzogen werden zu können.
Aufgeführt wurde die Oper zuerst im Badischen Staatstheater in Karlsruhe am 13. März 2004. Die auf der CD enthaltene Aufnahme wurde im Almeida Theater in London am 15., 17. und 18. Juli 2004 mitgeschnitten.
michaelnyman.com
VM
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