Ornah-Mental "Heliopolis" (Amygdala Music/Herzberg Verlag 2009)

Für Nordeuropäer ist wohl jede orientalische Stadt "Heliopolis". Sonne, Hitze und Schwüle haben ein Ausmaß, das hier nie erreicht und stets deutlich wird, wenn man aus dem Flugzeug steigt und nach der angenehmen Klimatisierung die volle Breitseite des echten Klimas genießen darf.
Ornah-Mental haben die Hitze orientalischer Länder in ihren Sound übertragen, das klingt nicht nur in den Field Recordings und Samples nach, sondern steckt in den Kompositionen selbst. Die Musik hat Fieber, von allerlei Perkussion neben dem groovenden Schlagzeug angetrieben, Straßeninstrumenten wie Saz, Darabouka und sonstigen Folkinstrumenten illuminiert und den eingängigen Melodien und Motiven jeweils über 5 oder 6 Minuten zelebriert. Vorderasiatisch-orientalische Klänge mixen sich mit folkloristischem Ethno-Folk, das hat esoterisches Flair und ist in aller Drahtigkeit und Dynamik ambient und auf Grund seiner mal rockigen, mal dancigen Struktur jederzeit gut zu genießen, ohne den Hörsinn besonders anzustrengen.
Hier und da kann es gar mal etwas artrockig werden, wenn ein Gitarrensolo über floydige Atmosphäre streicht, zu orientalischem Flair und Groove setzt sich abendländischer Schöngeist und der berauschende Mix tut Wirkung. Therapiemusik. Die Songs pulsieren auf langsamem Rhythmus, ruhen in sich selbst, fließen entspannt um schlanke Ideen. Das kommt in der Worldmusic-Szene wie in der Rockmusik an und ist ein klug gesponnenes Zeitgeistzeichen. Stellenweise etwas beliebig und sich sehr auf heliopolische Einflüsse verlassend, damit bisweilen etwas dünn und gefällig wirkend, beweist das Album doch ein gutes Gespür für fremde, anheimelnde Klänge und Sinn für moderne Mixkultur. Würde mich nicht wundern, wenn nicht nur einige der Songs manchem Techno DJ gefallen würden, der daraus die arabische Nacht macht.

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VM



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