Orrenmaa Band "Make My Day" (Nordic Notes, VÖ: 09.10.2009)

Orrenmaa Band. Obelix würde sagen: die spinnen, die Finnen! Ohrenschmalz-Band? Nix da. Gitarrist Tuomo "Tuppu" Orrenmaa ist der Chef der Truppe, und alles hört auf seinen Namen. "Make My Day" ist sein bereits drittes Album, zu dessen Anfertigung er sich einige illustre Gäste ins Studio geholt hat. Jazz, Jazzrock- und Fusion-Trommellegende Billy Cobham war neugierig und brachte gleich die Tower Of Power Horns mit (Emilio Castillo [ts], Stephen Kupka [bar-s], Tom E. Politzer [ts], Mike Bogart [1st tr] und Adolfo Acosto [2nd tr]). Der gute alte Pekka Pohjola (b) gab sein Stelldichein, eines seiner letzten, nicht lange nach Einspielung der Tracks verstarb der finnische Jazzrock-Genius, requiescant in pace (das 12-minütige "Heavy Pop" ist ihm gewidmet). Sohn Verneri Pohjola, längst als Hornist und Trompeter im Jazz selbst ein gestandener Name, sowie die drei Keyboarder Rob Dominis, Pekka Tyni und Timo Pratskin, die sich die Songs brüderlich teilten, ergänzen das interessante Line-Up.
Emotional forderte die internationale Besetzung einiges Einfühlungsvermögen ein. Der überwiegende Anteil der Musiker ist nicht mehr ganz wirklich jung, es bedurfte gewiss einiges guten Willens, die Songs einzustudieren, jedem Solisten Freiraum zu geben und selbst dynamisch und virtuos seine Parts zu bestehen. Billy Cobham hat sich (samt eigens hierfür komponiertem Solo) lebhaft eingebracht.
Längst trommelt der ehemalige Mahavishnu Mitarbeiter nicht mehr so ungemein heftig und extrem wie einst, lässt aber Energie und handwerkliche Kunst nicht vermissen und bestreitet seine Position allerliebst mit der notwendigen technischen Federleichtigkeit und komplexen Druckhärte. Pekka Pohjola, typisch, steht im Schatten und gibt der dunkelsten Note ihren warmen, raumgreifenden Ton.
Während die Tastenvirtuosen zuerst für Klangtapete und Raumklima zuständig sind, jedoch auch für durchaus ansprechende Soli zur Verfügung stehen und Verneri Pohjola neben der Unisonoarbeit mit Tuppu Orrenmaa erstklassige Jazzsoli spielt, die leider etwas zu sehr in den Bandsound gemixt wurden und nicht klar genug hervortreten, macht der Chef-Gitarrist den solistischen und improvisativen Raum für sich selbst groß und beweist feines Gespür für die Exegese der Komposition wie für rockhartes Solieren. Die Tower Of Power - Bläser, in 6 der 13 Songs dabei, bringen den Brass-Faktor saftig ein und verstärken das allgegenwärtige Jazz-Funk-Fusion-Klima mit fetten Spitzen und kleinen, entzückenden Jazzphrasierungen, die neben Big Band Flair auch fett Rock im Blut haben.
Zuerst wirkt "Make My Day" etwas light und blass, zu sehr wird anfänglich die Funk-Schiene bedient, bis die vertrackten Partien aufgefahren werden und virtuos-fette Unisonoläufe für Gänsehaut sorgen. Jazzrock wird hier zwar nicht ultrakomplex, nichtsdestotrotz aber mitreißend und rassig gespielt. Cobhams stete Unterfederung des deftigen Tones gibt dem Fusion-Groove die notwendige Differenzierung, sich vom seichten Gebiet des Genres gut abzuheben. Wenn auch nicht immer, so ist die Überzahl der Songs doch, und sicher, vom progressiven Fieber durchzogen.
Für Hardcore-Jünger des Jazzrock-Genres sowieso Pflicht, dürfen die strengen Komplexfreaks mal ein Ohr riskieren, sich aber sonst wieder der Gartenarbeit widmen. Gutes Album, gehobener Mittelstand, das am abgesoffenen Sound des exzellenten Flügelhorn- und Trompete-Spielers Verneri Pohjola gelinde leidet.

myspace.cpom/tuppuorrenmaa
VM





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