Pain of Salvation "Ending Themes - On the two Deaths of Pain of Salvation" (InsideOut Music, VÖ: 27.02.2009)

Daniel Gildenlöw ist ein besessener Arbeiter. Was er tut, muss bis ins Detail durchdacht und organisiert sein. Das ist der Unterschied zu seinem Bruder, meint die Mutter der beiden Gildenlöws in der exzellenten Dokumentation auf DVD1, und das war er schon immer. Der eine spielte draußen mit einem Ball, und der andere, in jedem Fall andere, las oder komponierte an seinem Schreibtisch. Daniel Gildenlöw ist durch und durch als Arbeiter geprägt. Das ist dieser Produktion bis ins Mark anzumerken.
Während die Band die Instrumente warm spielt, sitzt er am Schreibtisch und fügt die einzelnen Parts der ersten DVD zusammen. Eine Schnipselarbeit, bei der man graue Haare kriegen kann. Die schier nie endet.
"Sixworlds/Eightdays" heißt die Dokumentation auf DVD1. Sie zeigt, wie Pain of Salvation, und sie steht hier beispielhaft für jede x-beliebige Band, zu Hause arbeitet, im Studio aktiv ist, sich auf die kommende Tournee vorbereitet, und jeden einzelnen Handgriff selbst macht, mit Unterstützung ihrer technischen Mitarbeiter. In 10 Episoden erzählt die schwedisch/englischsprachige Dokumentation (in den schwedisch gesprochenen Teilen mit englischsprachigen Untertiteln) davon, wie die Band die Tournee erlebt: Aufbauten, Abbauten, Proben, Halsschmerzen, Interviews, Schlafmangel, Platzmangel, fremde Orte, fremde Leute in Mengen, in größeren Mengen, in Massen, die die Band bedrängen, mit ihnen reden, sich mit ihnen fotografieren lassen wollen, Fanclubs, Clubmanager, Crewmitglieder, Technikmacken, Probleme und ihre möglichen Lösungen, kaltes Essen, Nervereien, Spaß, Erlösung nach dem Konzert, keine Rückzugsmöglichkeit - - - am meisten hat mich die gute Idee beeindruckt, mit der die Band gezeigt wird, wie sie nach einem langen Konzert wieder hinter die Bühne kommt. Die Jungs hören nichts mehr, ein hintergründiger, aber durchaus nervender Piepston ist zu hören, die Stimmen ganz leise darüber, sie müssen sich anschreien, um sich zu verstehen, können aber gar nicht mehr schreien, der Hals ist dick und wund, alles ist verschwitzt, wund, müde, abgeschlagen, die Meute verlangt nach Zugabe, bevor der Merchandise-Stand in Angriff genommen wird…
Nach der ausführlichen Dokumentation gibt es etliche Bonusvideos, allesamt sehenswert und interessant, die viel über die Band und das Tourneeleben verraten und trotz allen Stresses viel Spaß, Laune und Witz offenbaren. Allein DVD1, ohne das Konzert auf DVD2, ist den Kauf der Produktion wert. Absolute Empfehlung schon allein dafür!
Auf DVD2 geht es dann richtig los. Die Band live in Amsterdam, 16 Songs, 110 Minuten, gut fotografiert, guter Ton, gut geschnitten, tolle Bühne, tolles Publikum, die Band in Top-Form, Licht und Dunkel angenehm wie die Rasanz des Konzertes. Pain of Salvation, mittendrin in nicht identifizierbarer Position zwischen Progressive Rock und Metal, spielen nie besonders hart, haben sehr intensive Songs und spielen diese erstklassig. Das Konzert ist lebendig, wenn auf der Bühne an sich auch wenig passiert - die Show gibt es auf "Be", und wo sich nichts oder wenig bewegt, gleichen rasante Kamerafahrten das aus.
Kurzweilig, unterhaltsam, rockt, hat witzige Komplexe und überraschende Momente, ein Covertrack ist dabei, "Hallelujah" von Leonard Cohen in eigener Interpretation. Tolles Konzert, macht Laune zuzusehen. DVD ist schon 'ne nette Erfindung, wenn es das Live-Erlebnis des Konzertes, der Band auch nicht ersetzen kann.
Nach der Show geht es mit Bonusmaterial weiter. Wer das Quiz richtig beantwortet, kann sich eine Fülle weiteren Materials ansehen und -hören. Wie DVD1 eine grandiose Produktion, beide zusammen unschlagzeugbar. Insgesamt sind etwa viereinhalb Stunden Videomaterial zu sehen.
"On the two Death of Pain of Salvation" wird als 2DVD und 2DVD+DCD (letzteres limitiert) angeboten. Das volle Programm. Tipp!

painofsalvation.com
insideout.de

VM




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