Technik



Pfand Custom                                                                                                 26.11.2007


Von "Time to Time" (Dany Wilde) schaue ich äußerst gern bei der Konkurrenz rein. Schließlich befindet man sich ja im ständigen Wettbewerb und ist bemüht sich stetig zu verbessern! Vorausgesetzt, dass ich um meine eigenen Schwächen und Formtiefs weiß, belustigen einen dann ja die teils abenteuerlichen Versuche Genrefremder, die mir die bunte Welt des Instrumentenkaufs näher bringen möchten. Und, ich kann es nicht verhehlen, ja, ich empfinde diebische Freude, wenn ich auf Absurditäten stoße, die durchaus ernst gemeint sind. Da steht im Grand Gtrs z. B. dass Star Wars von Steven Spielberg ist. Oder im Visions (Ausgabe 172) wird geschrieben, Frank Zappa und Elvis seien regelrecht besessen von Hagstrom.
Sehr geehrter Herr Löchter, das waren sie nicht! Es ist durchaus richtig, die beiden Popikonen kamen in Berührung mit den schwedischen Gitarren, Frank für ein Plakat nebst Auftritt und Elvis für einen TV Auftritt. Des Weiteren ist es ein empirisch belegter Fakt, dass Elvis Manager Colonel Parker, Hagstrom jegliche Werbung mit seinem Schützling verbat. Weiterhin sind mir, außer dem "Shame on" Poster der Mothers, keine weiteren Gelegenheiten bekannt, bei denen Frank Zappa die Gitarre vor eine Linse hielt.
Insofern sieht dieser Visionsartikel mehr nach abschreiben div. Werbe - und Prospektmaterialien aus. So klafft ein unübersehbarer Spalt in diesem alternativen Musikmagazin zwischen gut gemeint und gut gemacht und selbiger schaltet nicht immer den Schmerz ab!
In einer weiteren Ausgabe der o. g. Musikzeitschrift (Ausgabe 176) hatte dann Herr Löchter das außerordentliche Vergnügen, die Epiphone Customshop SG Custom mit Maestro Vibrato vorzustellen! Hierbei verwies er auch ausdrücklich auf das gut bespielbare Maestro. Gute Güte, echt jetzt? Sollten Frank Marino, Angus Young, Frank Zappa und meine Wenigkeit (anmaßend, wa?) das Maestro etwa zu Unrecht verspottet haben? Schaun mer mal!
Ab ins unsichtbare Bootsmobil, den besten Musikladen in Bikini Bottom aufgesucht und losgetestet!
Hört, hört, hiermit verkünde ich folgende Wahrheiten:
1873 gründete der griechische Emigrant Anastasios Stathopoulo die Firma in der Türkei.
Er benannte sie 1893 nach seinem Sohn Epaminondas, dessen Rufname Epi war. Nach der Auswanderung in die USA machte die Familie schnell von sich Reden, da sie von New York aus Gibson recht ordentlich Konkurrenz machte.
1957 kaufte Gibsonlegende Ted Mc Carty Epiphone für 20 000 Dollar. Ausschlaggebend hierfür war der Epiphone "Doghouse" Bass. Eine Vertragsübernahmeklausel beinhaltet dabei, dass überall dort, wo Epiphone gebaut werden, ein gerahmtes Photo von Gründersohn "Epi" zu hängen hat! Bemerkenswert wäre vielleicht noch, dass Les Paul seine "erste" E-Gitarre "The Log" in der Epiphone Werkstatt baute!

Recht zügig versorgte Gibson später das untere Preissegment mit Kopien seiner Klassiker unter dem Epiphone Label, teils mit herben Qualitätsfehlern! Jedoch geht es seit Mitte der 90er wieder aufwärts.
2005 begann Epiphone mit der "Guitar of the Month" Serie, die edelste Gitarren aus dem Customshop zu fairen Preisen offeriert. 2007 schließlich etabliert man den Customshop und fährt seit dem die "Guitar of the Month" Reihe weiter.
Aus dieser Serie stammt auch die Custom SG mit Maestro, oder auch Les Paul Custom( immerhin soll es ja von 1962 sein), die ich gerade noch in den Fingern hielt. Sie basiert auf der Gibson Custom SG mit 3 Humbuckern und wird von einer perfekt ausgeführten alpineweiß Lackierung umhüllt. Da dieses eine deckende Lackierung ist, kann ich über die Qualität des verwendeten Mahagoniholzes nichts sagen. Anhand der tonalen Eindrücke gehe ich allerdings von hochwertigem Holz aus. Die 3 Humbucker, die unter vergoldeten Kappen liegen, werden über 3 separate Volumepotis geregelt. So bleibt nur ein Tonpoti über, welches durchaus ausreichend ist. Bei der Original Custom SG/Les Paul von 1961 teilten sich übrigens Hals und Middle Pickup ein Volumepoti. Auch hatten die ersten Customs ein Sideway Action Vibrato, welches recht bald durch das bessere Maestro ersetzt wurde.
Und auch hier verrichtet ein Epiphone Maestro seine Dienste, doch davon gleich mehr.
Wie bei allen anderen SGs findet sich auch hier ein 22 Bund Rosewood Griffbrett auf dem eingeleimten Hals, zwar mit den Custom Blockinlays, aber hatten die Customs nicht Ebonyfingerboards? Ja, hatten sie, aber da Ebenholz sehr teuer und wegen der Härte schwer zu verarbeiten ist, verwendet man nunmehr dunkel eingefärbtes Rosewood, zumindest sieht es aus wie Ebony und die Kopfplatte weist Binding nebst Broken Diamond Einlage auf. Das Elektronikfach wirkt sehr aufgeräumt und lässt die Desaster die Epiphone in der Vergangenheit ablieferte vergessen. Von dieser sehr gut ausgeführten Verarbeitung seitens des Customshops profitiert natürlich auch der Kunde, der hier eine satttönende Gitarre bekommt.
Kommen wir nun zum Maestro. Diese kam in meinem Gibson V. O. S. Test (Gang Bang) nicht gut weg und selbst nach 2 Stunden einspielen bleibe ich dabei. Das Maestro ist nicht stimmstabil, das würde nämlich "gut bespielbar" bedeuten! Kann es auch nicht konstruktionsbedingt. Zwar fangen die Grovermechaniken einiges auf, aber genau wie beim Bigsby müssen die Saiten beim dehnen und entspannen über starre Bridge und Sattel, das kann nicht gut gehen. Freunde des Classic Rocks und Vintage Fans werden das in Kauf nehmen, aber diejenigen, die wilde Vibratoorgien a la Van Halen/Vai in die Menge feuern, sollten tunlichst die Finger vom Maestro lassen. Selbst Hendrix, der für die Dick Cavett Show am 9.9.1969 eine Custom SG benutzte, ging da aber ganz vorsichtig zu Werke. Das ist übrigens ein gesicherter Fakt, Herr Löchter.
Deswegen mein Fazit:
Die Epiphone Customshop Custom SG Ltd. ist eine sehr gute Gitarre, aber was Herr Löchter über das Maestro von sich gibt, kann ich auf keinen Fall bestätigen. Leichtes umspielen des angeschlagenen Tons ist möglich, mehr aber nicht. Insofern bleibe ich bei meiner fundierten Meinung und schließe mich der Mehrheit an. Nichts desto trotz kann ich nur sagen das die Customshop Custom mit 599 Öcken gegenüber der Serien Custom( creme white ohne Maestro) mit 475 veranschlagten Öcken, recht günstig ist.
Ach, zum Thema Hagstrom noch eins:
Die o. e. Visionsausgabe zu diesem Thema ist leider nicht mehr in meinem Besitz, so dass ich nicht zitieren konnte. Nun ist mir glücklicherweise am 3. November der Musik Produktiv Special Flyer zugestellt worden. Da heißt es doch bei der Hagstrom Swede, ich zitiere:
"Die Legende kehrt zurück! Schon Musiker wie Frank Zappa, Elvis Presley waren diesen Gitarren verfallen!"
Sagen Sie mal Herr Löchter und Musik Produktiv! Habt ihr etwa voneinander abgeschrieben?



Michael KrAMPe




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