Phantasia "Phantasia (1972, World In Sound 2002)
Trizo 50 "Trizo 50" (1973-74, World In Sound 2004)

Wer ausführliche Band-Stories in dicken Booklets liebt, wird seine Freude an den Booklets der beiden World In Sound Produktionen Phantasia und Trizo 50 haben. Vor allem im Trizo 50 Booklet gibt es über 35 satt und klein beschriebene Seiten mit kleinen Fotos die lang und breit angelegte Entwicklung der Band und Musiker zu lesen.
Kurz gefasst liest sich das so: in der ersten Hälfte der 1960er Jahre wurden die J-Walkers gegründet, aus denen Phantasia hervorgingen, woraus später Trizo 50 wurde. Kurz genug? (Die Langfassung wie gesagt im Booklet…)
Vom Cover her geht Phantasia als Artrock Kapelle durch und gewiss haben Phantasia auch etwas Art im Rock, doch viel eher würde ich die Band im Garage/Underground Bereich unterbringen. Die 12 Tracks klingen wie ein Mix aus Beat, Pop, Punkrock, Psychedelic und Folk in obskurem Garage Sound. Das ganze ist etwas versponnen und versonnen, lyrisch und melancholisch, oftmals akustisch und von seichter Note. Die Band kann in wenigen Momenten auch mal richtig ausholen und die elektrischen Gitarren aufdrehen, das klingt dann sehr interessant und wild. Erstaunlicher Weise gibt es gewisse Ähnlichkeiten zu frühen King Crimson Songs, in Stücken wie "I Talk To The Wind" oder partiell in "Chasing now the flying time". 3 Songs gibt es in 2 verschiedenen Versionen, die gesamte Produktion ist was für Augen und Ohren. Eine Ausgrabung, die vor allem für Geschichtsinteressierte Rockfans und Sammler früher Undergroundbands von Interesse ist. Der Sound ist ausreichend bis gut, entsprechend damaliger Intention und Möglichkeiten der Band.
Aus Phantasia wurde Trizo 50. Deren CD enthält 22 Stücke. Während es auf der Phantasia noch lange Tracks zu hören gibt, sind hier sämtlichst kurze Songs drauf. Pop, Psychedelic, Folk und Glam Rock, angenehm und nett geschrieben und gespielt, mit Charme und Lyrik gibt die Band zum Besten. Jim Clapper war ausgestiegen, zu Bob Walkenhorst (g, voc, p), David Johnson (g, voc) und John DePugh (dr, voc) kamen als Neuzugänge Jim Bell (b, voc) und Robert DePugh (key, voc) hinzu. Die Songs sind sehr viel simpler gestrickt als die von Phantasia. Aufgenommen unter ziemlich schlechten Bedingungen ist der Sound gewiss nicht besonders aufregend gewesen, das Remastering hat viel gerettet. Manche Songs sind etwas schlagerhaft und süßlich. Anderes rockt schön vital, die Gitarren haben diesen verzerrten, harten Anschlag. Gerade in den raueren Stücken klingt das nach den Uranfängen von Punk, wenn die Band sicher ganz anders drauf war, musikalisch waren sie Wegbereiter. Die CD ist vor allem für Sammler historischer Underground Rockmusik und an obskurem Punkrock Interessierte ein Leckerli.

worldinsound.com

VM



Zurück