The Phonographers Union "Live On Sonarchy Radio" (Accretions Records 2004)

Der Begriff Musik ist stets neu definiert worden, in den letzten 100 Jahren forciert durch die Fülle neuer Möglichkeiten, die Folk, Jazz, Blues, Rock und alle Verschmelzungen dazwischen und Entwicklungen daraus mit sich brachten. Musikphilosophen fragen sich gewiss, ob es eine Parallele zum Universum gibt: Ausdehnung, Endlosigkeit und die Gewissheit, dass die bisher entdeckten Gebiete nur ein winziger Ausschnitt sind.
The Phonographers Union sind 9 MacIntosh-Computer-Besitzer, die mit ihrem Laptop und einem Mikrophon durch die Gegend zogen und Alltagsgeräusche aufgenommen haben. Als genügend Material zusammengetragen war, setzten sich diese 9 "Musiker" in ein Studio und mixten ihre Sounds zusammen. Herkömmliche oder "normale" Musik findet hier also nicht im Ansatz statt. Hier geht es um Musik, die Zivilisationsgeräusche und Alltagslärm fabrizieren, in einer übereinander geschichteten Dichte, die trotz des hin und wieder auftretenden Lärmpegels stets meditativ und beruhigend wirkt. Vielleicht, weil so viele Teile dieser Musik bekannt, vertraut sind? Weil diese Töne und Klänge einen tonalen Rahmen schaffen, der nicht schmerzt, verletzt, langweilt oder anödet?
Gewiss ist das Musik, mal mit einem dezenten Rhythmus, der sich aus einem laufenden Wasserhahn speist, von einem religiösen Sänger bestimmt wird oder mit einer stampfenden Lokomotive hinfort wälzt. Die Melodie ist ein Hörspiel besonderer Art. Aufregend, neugierig machend, Konzentration schärfend. Weil bekannte Muster allgemeiner Musik ausbleiben und jede Sekunde für ungewöhnliche Entwicklung stehen kann; weil kein Arrangement, das ein Songformat prägt, existiert, bleibt nur, gebannt in diesen Kosmos urbaner Klangwelten zu lauschen. Ein geglücktes Experiment, das mindestens ebenso wertvoll ist, wie beliebte/gewohnte Musik, was immer das für den Einzelnen auch sein mag.
Unbedingte Empfehlung!

accretions.com
VM



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