Quikion "Yoru No Harp" (Trinity Records)


Die lyrischen Songs des japanischen Trios Quikion sind von so zarter Natur, dass sie schier zerbrechlich scheinen. Sanft dahin gehauchte Momentaufnahmen folkloristischer Natur. Der Klang ist klar und ausgewogen, die Interpretation perfekt, aber all das verblasst vor der Stille und Intimität dieser fast schon kinderliedhaft naiven und verblüffend schönen Songs. Totoki Yukiko, Oguma Eiji und Sasaki Emi bedienen eine Menge Instrumente, vor allem setzen sich Akkordeon, Glockenspiel und Gitarre durch. Wichtigstes und beeindruckendstes Instrument ist die Stimme von Totoki Yukiko. Zumeist muss man bei japanischen Produktionen ein Ohr zudrücken, der Gesang sägt schon mal gewaltig an europäischen Nerven. Ganz anders Totoki. Ihre liebliche, klare und außergewöhnlich zarte Stimme adelt die an sich schon fabelhafte Produktion. Die Musik ist rein akustisch, beeinflusst von japanischer und europäischer Folklore und in ihrer Form doch neu und ungewöhnlich. Ideal für den nächtlichen Sommerstrand mit Lagerfeuer ist doch kein Hauch von Kitsch oder sentimentalem Kleister auszumachen. Gewiss herrscht melodieseelige Lieblichkeit, aber nicht auf Schlagerniveau, sondern von wahrhaft lyrischer Klarheit und wenig Süße. Die Seele baumelt, die Zeit streicht dahin, tiefe Ruhe knistert über den Sternenhimmel und liebeshungrige Gefühle umspannen die Körper. Totoki, Oguma und Sasaki ziehen unaufhaltsam die Sinne auf ihre Songs. Quikion überwältigen mit diesem Akkordeon, das seltsame Melodien entwirft, die schon mal gehörig gegen herkömmliche Harmonievorstellungen klingen und doch tief harmonisch wirken. Glockenspiel, Toys, diverse Percussions, Bells - die vielen Schlaginstrumente scheinen hier kraftlos und wie von Geisterhand gestreut. Das macht diesen zerfetzten, aufgelösten Charakter so seltsam licht und bemerkenswert. Keine perfekte Musik, die nur eine weitere Variante der Überflüssigkeit sein mag. Aber ein Hauch romantischen Lebensgefühls, das in sich echt ist. Quikion verdienen Aufmerksamkeit. Die Songs vermögen zu verzaubern, und das mit so wenig, dass etliche opulente Werke damit geradezu lächerlich gemacht werden.
VM



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